Die Feldkircher Innenstadt erstrahlt in vorweihnachtlichem Glanz. An einem der Punschstände erzählt Bürgermeister Wolfgang Matt, was ihn in diesen Tagen bewegt und auf was er in der Adventszeit nicht verzichten will.
Der Budgetentwurf für 2023 ist unter Dach und Fach. „Da lässt sich der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt viel entspannter trinken“, meint Bürgermeister Wolfgang Matt mit einem Lachen. Den gelernten Bankkaufmann jedoch bringen Finanzengpässe oder Krisen ohnehin nicht so schnell aus der Ruhe. Er weiß mit den Zahlen umzugehen, hat Routine beim Erstellen der Ausgaben- und Einnahmenliste. Schließlich war er bereits von 2003 bis 2019 als Finanzstadtrat für die Budgeterstellung zuständig und weiß: „Jedes Jahr wird das schwerste.“
Eine stärker werdende Ich-Gesellschaft
Nicht von der Hand zu weisen aber sei, dass die Herausforderungen für die Kommunen immer größer werden. Die Kinderbetreuung etwa sei nicht allein mit Geld zu stemmen. „Die schönsten Einrichtungen oder Pflegeheime helfen nichts, wenn es kein Personal gibt. Der Faktor Mensch muss noch mehr in den Mittelpunkt rücken, eine Herausforderung angesichts der stärker werdenden Ich-Gesellschaft.“
Matts Worte klingen sehr reflektiert, fast so als kämen sie aus dem vis a vis vom Rathaus liegenden Dom. Dem römisch-katholischen Glauben ist der Bürgermeister eng verbunden, er besucht regelmäßig Gottesdienste. „Gerne im Dom, aber auch immer wieder in den anderen Stadtteilen“, erzählt Matt. Jeder Pfarrer hätte seine eigene Persönlichkeit, so würden Themen von verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet.
Bischof als Lieblingspfarrer
Ein „Lieblingspfarrer“ hat sich im Laufe der Jahre mit Rudi Bischof herauskristallisiert. „Dem ehemaligen Dompfarrer trauere ich schon ein wenig nach. Er hat die Kunst beherrscht, situationsgerecht zu agieren, hat Menschen Hoffnung gegeben und immer eine passende Geschichte parat gehabt, aus der man Nutzen für sein Leben ziehen konnte.“
Bei den ganz lebensnahen Dinge - derzeit Weihnachtsgeschenke - baut Matt auf die Unterstützung seiner Frau. „Sie gehört zu den Menschen, die wissen, was andere brauchen können. Sie ist sensibler, erkennt Hinweise und kann zwischen den Zeilen lesen.“ Etwas einfacher ist die Suche nach den Geschenken für die vier Enkelkinder im Alter von 15, zweimal zwölf und einmal drei Jahren. Von ihnen kommen klare Ansagen - in Form von Wunschzetteln ans Christkind. Auf der Suche nach einer kleinen ÜberraschungUnd wie löst der Feldkircher Stadtchef die Sache mit dem Geschenk für seine Frau? „Wir sagen uns, was wir uns wünschen. Oder wir sparen auf etwas, das wir uns dann leisten“, verrät er. Doch ganz gelöst ist das Problem trotzdem nicht: „Ich weiß ja, dass Kleinigkeiten als Überraschung immer gefragt sind.“
Weihnachten feiern die Matts dieses Jahr in Tirol. Bei den Eltern der beiden ältesten Enkelkinder. „Die anderen beiden Enkel kommen dann am Christtag hinzu.“ Der Bürgermeister will dieses Fest nicht missen. „Es ist ein Kreis von Menschen, mit dem man sich zwar auch unterm Jahr trifft, aber das ist nicht so gemütlich. Niemand ist losgelöst vom Druck des Alltags“, erzählt er und nimmt einen Schluck vom Glühmost. Diesen zieht er auf dem Weihnachtsmarkt dem Glühwein vor - allerdings in überschaubaren Mengen. „Ein, zwei warme Getränke sind genug. Ich trinke lieber Bier - das gebe ich ganz offen zu.“ Und als Feldkircher sollte es natürlich am besten ein Frastanzer sein. Schließlich seien die Feldkircher Wirte bereits an der Gründung der Brauerei maßgeblich beteiligt gewesen.
Glühwein oder Glühbier, das so langsam in Mode kommt, haben für Matt im Advent aber ohnehin keine Priorität. „Unverzichtbar ist für mich aber der Adventkranz, der ja eine symbolische Bedeutung hat und auf die Ankunft Jesu hinweist.“ Der Kranz in seinem Büro ist vom Krankenpflegeverein Nofels, dessen Bastler ihre Zweige über die städtischen Forstarbeiter beziehen. Matt entzündet die Kerzen immer wieder. „Es ist eine besondere, eine besinnliche Zeit. Eine Zeit, in der man erkennt, dass nicht alles so wichtig ist - man selbst eingeschlossen.“ sos
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