Bauern rüsten um

Klimawandel: Mehr Wein und weniger Kohl in Tirol

Tirol
29.10.2022 12:00

Tirols Bauern haben heuer eine gute Obst- und Gemüseernte eingefahren. Doch der Klimawandel fordert ein Umdenken. Neue Kulturen sind im Kommen, Bewässerung wird ein Muss. Was ohne passiert, zeigen aktuelle Beispiele. 

Glück gehabt! Das gilt für Tirols Obst- und Gemüsebauern. Während in Italien oder Deutschland Hitze und Unwetter Ernten zerstört haben, schaut die Bilanz hierzulande deutlich besser aus. „Wir hatten ein mildes Frühjahr und einen gemäßigten Sommer. Es gab zwar regional zum Teil namhafte Schäden, aber in Summe ist die Ernte gut“, fasst Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger zusammen.

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Unsere regionale, standortangepasste Landwirtschaft ist nicht die Ursache, sondern ein Beitrag zur Linderung des Klimawandels.

Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer

„Ohne Bewässerung geht es in Zukunft nicht mehr“
40.000 Tonnen Gemüse werden in normalen Jahren von den Feldern geholt. „Das erreichen wir auch heuer“, zeigt sich Wendelin Juen erleichtert. Der Fachbereichsleiter weiß, dass es ganz anders ausgehen hätte können. „Der Niederschlag lag unter dem langjährigen Mittel. Das kommt immer häufiger vor“, beschreibt Juen das wachsende Problem. Die Konsequenz daraus: „Ohne Bewässerung wird es in Zukunft bei vielen Kulturen nicht mehr gehen.“ Als Beispiel nennt Juen Kartoffeln, die besonders unter Hitze leiden. 20 Prozent weniger Ertrag ist heuer zu verzeichnen – mit Ausnahme bei jenen Feldern, die bewässert wurden.

Auch im Obstbau geht ohne Bewässerungsanlagen kaum noch etwas. Diese schützen die Früchte nicht nur vor Trockenheit, sondern sie kommen auch bei Frost zum Einsatz. „Apfelbäume blühen im Schnitt 14 Tage früher. Das macht sie aber anfällig für späten Frost. Durch Beregnung kann man die Pflanze davor schützen. Das ist auch heuer gelungen“, erklärt Hechenberger. Er sieht auch im Grünland künftig die Notwendigkeit, „dort und da“ zu bewässern. Die Herausforderung für die Bauern: Wasser sparen. Juen verweist auf neue Techniken, etwa aus Israel, die das möglich machen.

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Die Vegetationsperiode ist mittlerweile recht lang. Sie beginnt circa um 14 Tage früher und lässt im Herbst bis Dezember Ernten zu.

Wendelin Juen, Fachbereichsleiter für Spezialkulturen

Wärmeliebende Sorten und neue Gemüsearten 
Gießen allein ist aber nicht die Lösung. Tirols Landwirtschaft vollzieht gerade einen Strukturwandel. Neue Gemüsearten gedeihen auf den Äckern: Zucchini und Kürbis gehören mittlerweile zum Repertoire. Bei Äpfeln und anderen Früchten stellen Bauern auf besonders wärmeliebende Sorten um. Auch beim wiederentdeckten Getreideanbau wird mit Blick auf die Klimadaten gesät. „Wintergetreide statt Sommerweizen“, lautet die Devise. „Schwierig wird es bei Kohlgemüse. Das mag keine Wärme“, rechnet Juen langfristig mit Rückgängen beim Anbau.

Dafür hängen die Trauben in Tirol heute nicht mehr zu hoch. Der Klimawandel begünstigt den Anbau. 22 Hektar werden kultiviert – Tendenz steigend. Die Winzer sind ambitioniert, die Qualität des Weines ist konkurrenzfähig und der Beruf Weinbauer keine Utopie mehr.

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