02.08.2022 11:00 |

Hightech in Produktion

7er-BMWs fahren blind, aber autonom durchs Werk

Autonom fahrende Autos sind bei BMW ab sofort Tagesgeschäft: Neuerdings fahren fast fertige Exemplare des 7ers und des i7 fahrerlos durch das Werk Dingolfing - dabei sind nicht einmal die bordeigenen Sensoren aktiv. zu sehen hier oben in dem Video, das noch mehr Einblicke in die Produktion des neuen Münchner Flaggschiffs bietet.

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Mit dem Dingolfinger Pilotprojekt „Automatisiertes Fahren im Werk“ (AFW) will die BMW Group die Effizienz der Logistik von neu produzierten Fahrzeugen in Werken und Distributionszentren erhöhen. Dafür kooperiert BMW mit dem südkoreanischen Startup Seoul Robotics und dem Schweizer Start­up Embotech.

„Wir haben einen anderen Ansatz als beim autonomen Fahren, weil wir keine Sensoren aus den Fahrzeugen nutzen. Das Auto selbst ist quasi blind. Stattdessen haben wir Sensoren entlang der Fahrstrecken installiert, anhand derer wir die Autos in den Werken bewegen“, sagt BMW-Projektleiter Sascha Andree. Die AFW-Lösung setzt auf zwei Schlüsseltechnologien. Zum einen kommt eine Sensor-Infrastruktur zum Einsatz, die bei der Lokalisierung der Fahrzeuge hilft und gleichzeitig Hindernisse in der Werksumgebung erkennt. Zum anderen sendet ein Bewegungsplaner kontrollierte Befehle über Mobilfunk an die fahrerlosen Fahrzeuge.

Autos können das von Anfang an
Die automatisierten Fahrten im Werk erfolgen zunächst innerhalb der Montage und anschließend zu Logistikflächen im Werk. Das bedeutet, die fertig produzierten Fahrzeuge fahren selbst zu einem Parkplatz. Von dort aus werden sie per Zug oder LKW weitertransportiert. Grundsätzlich lässt sich die Technologie einsetzen, sobald die Fahrzeuge im Produktionsprozess selbstständig fahren können - also kurz nach dem ersten Start des Motors.

Die Lidar-Erkennungssoftware des Startups Seoul Robotics erstellt mithilfe der statischen Überwachungssensoren einen digitalen Zwilling der Umgebung, einschließlich einer Objektklassifizierung und Positionsbestimmung für die Fahrzeuge. Die Fahrplanungssoftware von Embotech lenkt, bremst, beschleunigt und parkt die fahrerlosen Fahrzeuge. Die Routen werden in Echtzeit berechnet. Eine situationsbedingte Programmierung oder ein Training der Fahrzeuge ist nicht erforderlich. Stattdessen ist jedes Fahrzeug in der Lage, eigenständig auf die jeweilige Umgebungssituation zu reagieren.

Die Pilotphase erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Ein weiterer Roll-out ist zunächst mit zusätzlichen Modellen in Dingolfing geplant. Später soll die Technologie auch in anderen Werken eingesetzt werden. In Dingolfing baut BMW mit 17.000 Mitarbeitern neben den 7ern auch die Modelle iX sowie 4er, 5er, 6er und 8er, bis zu 1600 Autos täglich.

Wegweisende Start-up-Integration
„Dieses Vorgehen, bei dem zwei junge Startups mit einem OEM wie der BMW Group an einem einzigen Projekt arbeiten, hat es wahrscheinlich noch nie gegeben“, sagt HanBin Lee, CEO von Seoul Robotics. Über die sogenannte „BMW Startup Garage“ holen die Münchner immer wieder Start-ups ins Boot. Seit 2015 evaluiert die BMW Group über das Venture-Client-Modell gemeinsam mit Startups mögliche Projekte. Dabei wird frühzeitig das Produkt eines Startups gekauft und nicht die Anteile an dem Unternehmen selbst.

So wurden bereits mehr als 150 Pilotprojekte erfolgreich durchgeführt, die ein kumuliertes Investitionsvolumen von mehr als 4,5 Mrd. US-Dollar aufweisen.

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