Legenden in Monterey

Schumachers ungeschlagener Ferrari unterm Hammer

Motor
02.08.2022 05:01

Alle Jahre wieder treffen sich in Monterey, knapp zwei Autostunden südlich von San Francisco, Sportwagen-Fans, Oldtimer-Freaks und Menschen, denen Autos grundsätzlich Freude machen, zur Monterey Car Week. Sie gilt als eine der weltweit faszinierendsten Veranstaltungen rund um die Fortbewegung auf vier Rädern. Wer genug Geld mitbringt, kann dort auch seltene Pretiosen ersteigern. Unter anderem ein Siegerauto von Michael Schumacher.

(Bild: kmm)

Einer der Höhepunkte der Veranstaltung vom 12. bis zum 21. August ist am letzten Tag der Pebble Beach Concours d’Elegance, wenn sich am 18. Loch auf dem Gelände des Pebble-Beach-Golfplatzes und dem berühmten 17-Mile-Drive wertvollste Sammlerautos aus aller Welt zum Stelldichein und Schönheitswettbewerb treffen.

Alt, aber Millionen wert
Doch auch die Versteigerungen edelsten Blechs, die am 17. August beginnen und vier Tage andauern, sorgen rund um den Globus für Beachtung. Diesmal nehmen die vier renommierten Auktionshäuser Bonhams (London/Großbritannien), Gooding & Company (Santa Monica/Kalifornien/USA), Mecum (Walworth/Wisconsin/USA) und RM Sotheby’s (Blenheim/Ontario/Kanada) zusammen fast 1000 Fahrzeuge unter den Hammer, viele davon mit einem möglicherweise sieben- oder gar achtstelligen Dollarwert.

Den Star unter der Versammlung automobilen Adels auszumachen fällt schwer. Ist es ein 1938er Bugatti Type 57C Atalante, der bei Bonhams am 19. August unter den Hammer kommen und zwischen 2,8 Millionen und 3,4 Millionen Dollar einbringen soll? Oder ist es ein weiterer Bugatti Type 57C Atalante, diesmal aus dem Baujahr 1937, für den Gooding & Company mit einem Erlös zwischen zehn Millionen und zwölf Millionen Dollar rechnet? Vielleicht ist es aber auch ein blauer Shelby 427 Competition Cobra, Baujahr 1965, den Mecum unter die Leute bringen will. Bereits vor einem Jahr versteigerten die Auktionatoren des Unternehmens ein solches Auto für knapp sechs Millionen Dollar.

Königlicher Benz aus Afghanistan
Eventuell macht bei RM Sotheby’s ein deutsches Auto das Rennen, ein 1937er Mercedes-Benz 540 K Special Roadster. Ein solches Auto hatte das Unternehmen bereits vor zehn Jahren in Monterey für 9,68 Millionen Dollar versteigert. Diesmal soll ein weiteres Exemplar, bei dem als Erstbesitzer König Mohammed Zahir, Schah von Afghanistan in den Papieren steht, an einen neuen Besitzer zu einem Preis zwischen neun Millionen und zwölf Millionen Dollar gehen.

Überhaupt spielt bei RM Sotheby’s, dem weltweit umsatzstärksten Auktionshaus, was Sammlerfahrzeuge betrifft, Mercedes-Benz dieses Jahr in Monterey eine wichtige Rolle. Von den 26 Modellen aus Stuttgart, die diesmal zur Versteigerung gelangen, haben nach Einschätzung der Auktionatoren zwölf das Zeug dazu, die Kasse jeweils um mindestens einen siebenstelligen Betrag voller zu machen.

Dem bereits erwähnten 540 K Special Roadster folgt zu geschätzten zwei Millionen bis 2,5 Millionen Dollar ein 540 K Cabriolet aus dem Baujahr 1936. Ebenso teuer soll ein 1963er Mercedes-Benz 300 SL Roadster werden, der erst kürzlich für fast eine halbe Million Dollar restauriert wurde und seither erst knapp 300 Kilometer zurückgelegt hat.

Einer der erfolgreichsten Renn-Porsche
Das andere deutsche RM Sotheby’s Standbein kommt aus Stuttgart Zuffenhausen. Für das größte Interesse dürfte ein 1959er Porsche 718 RSK Werks Spyder sorgen, für den das Auktionshaus einen Wert zwischen 4,8 Millionen und 5,2 Millionen Dollar veranschlagt. Bei dem Auto handelt es sich um einen der erfolgreichsten Werks-Rennwagen von Porsche, der zum Beispiel bei den 24 Stunden von Le Mans, dem 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring und bei zahlreichen europäischen Bergrennen siegreich abschnitt. An seinem Steuer saßen zum Beispiel Wolfgang Graf Berghe von Trips, Joakim Bonnier oder Hans Herrmann.

Kein Mengenrabatt, trotz großer Ferrari-Zahl
Zahlreich sind selbstverständlich auch wieder die üblichen Verdächtigen aus Maranello in Monterey vertreten. Allein RM Sotheby’s wird 32 Modelle von Ferrari unter den Hammer nehmen, darunter auch einen Ferrari 410 Sport Spider von Scaglietti, der zwischen 25 Millionen und 30 Millionen Dollar wert sein soll. Mit diesem Rennwagen beteiligte sich Juan Manuel Fangio beispielsweise 1956 am 1000-Kilometer-Rennen in Buenos Aires. Auch Carroll Shelby, Phil Hill oder Joakim Bonnier feierten mit ihm Triumphe. Insgesamt bestritt der Wagen zwischen 1956 und 1958 rund 40 Rennen, davon elf siegreich, und brachte darüber hinaus seinen Fahrern 19 Podiumplätze ein.

Schumachers Erfolgs-Ferrari
Gegenüber dem 410 Sport Spider erscheint der Ferrari F300, mit dem der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher 1998 viermal siegte (Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien), für einen Preis zwischen sechs Millionen und acht Millionen Dollar fast wie ein Sonderangebot. Dabei gilt er als „erfolgreichster Ferrari aller Zeiten mit mehr als drei Renneinsätzen“. Er war nur vier Mal am Start und gewann jedes Rennen, kann also als ungeschlagen bezeichnet werden. Trotzdem reichte es in der Saison 1998 nicht für den Weltmeistertitel (den holte Mika Häkkinen mit McLaren-Mercedes).

Wegen Regeländerungen war der F1-Bolide völlig neu konzipiert worden, außerdem stand er erstmals auf Rillenreifen statt auf Slicks. Angetrieben wurde er vom 800 PS starken Dreiliter-V10-Sauger. Der „Tipo Ferrari 047“ drehte bis 17.300/min und erzielte ein Höchsttempo von 340 km/h.

Laut Sotheby‘s veräußerte Ferrari den F300 mit Chassis-Nummer 187 im Jahr 1999 im selben renngebrauchten Zustand wie heute (mit einigen Ersatzteilen dazu) an den jetzigen Besitzer. Der Wagen sei gut erhalten sowie nie restauriert oder verändert worden.

Insgesamt hoffen die Auktionatoren von RM Sotheby’s für ein Drittel ihrer in Monterey angebotenen Fahrzeuge einen Millionenbetrag erzielen zu können. Im günstigsten Fall könnten fast eine halbe Milliarde Dollar allein bei ihnen den Besitzer wechseln. Da sich wertvollste Fahrzeuge in jüngster Vergangenheit als stabile Geldanlage erwiesen haben, und die Inflation in den USA bislang nicht gekannte Höhen erreicht hat, liegt dieser Betrag durchaus im Bereich des Möglichen. (Hans-Robert Richarz, cen)

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(Bild: kmm)



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