Ex-Profi verlor Bein

Ein Jahr danach: Heimo Vorderegger über sein Drama

Kärnten
12.07.2011 10:22
Der 12. Juli 2010 war ein schwarzer Tag im Leben von Heimo Vorderegger. An diesem Tag verlor der Kärntner Ex-Bundesligakicker bei einem Motorradunfall den rechten Unterschenkel. Seine Zuversicht und sein Kämpferherz hat er dagegen nicht verloren – im Gegenteil. Mit der "Krone" sprach Vorderegger über sein "neues" Leben.

"Krone": Sie geben nur selten Interviews, dieses Gespräch ist eine Ausnahme. Warum eigentlich?
Heimo Vorderegger: Hmm, das liegt daran, dass ich wohl etwas introvertiert bin. Vielleicht mehr als ein anderer. Aber jeder hat eben seine Art. Der eine ist so, der andere so. Ich selbst steh nicht so gern im Mittelpunkt, habe aber kein Problem mit Leuten, die wiederum das Rampenlicht suchen.

"Krone": Nun jährt sich Ihr Unfall zum ersten Mal. Wie gehen Sie damit um?
Vorderegger: Natürlich hat der Unfall mein Leben drastisch verändert. Vieles ist komplizierter geworden, und es gibt gewaltige Einschränkungen. Ich kann auch nicht mehr bergsteigen oder Skitouren machen, was ich früher gern gemacht habe. Das alles muss ich aus meinem Leben streichen. Es ist aber sicherlich kein Weltuntergang. Ich bin zwar eingeschränkt, aber nicht krank. An den Rollstuhl gefesselt oder an Krebs erkrankt zu sein, wäre noch weitaus schlimmer.

"Krone": Fußball war immer Ihr Leben. Selbst spielen können Sie aber nicht mehr. Wie sehr tut das weh?
Vorderegger: Ich selbst sehe es nicht so dramatisch wie andere. Ich hatte ja das große Glück, dass ich den Beruf des Fußballers normal ausüben konnte. Ein Unfall während meiner Karriere wäre schlimmer gewesen. Und so gehe ich damit um. Außerdem bin ich durch meine Arbeit als Funktionär nach wie vor eng mit Fußball verbunden. Das macht mir viel Spaß.

"Krone": Viele würden nach einem solchen Schicksalsschlag in ein "Loch" fallen. Woher nehmen Sie Ihre Kraft und Zuversicht?
Vorderegger: Man muss sich eben der Situation stellen und nach vorne blicken. Klar bekommt man viel Unterstützung, vor allem das ALTIS-Zentrum in Althofen in Kärnten hat mir auf großartige Art und Weise bei der Rehabilitation geholfen. Auch die Familie hilft einem sehr, aber im Endeffekt muss man mit allem im Leben selbst fertig werden. Das ist so. Es hilft auch nix, wenn ich einem Fußballer in den Hintern trete, er muss selbst den Willen haben, alles zu geben.

"Krone": Äußerlich hat sich bei Ihnen wenig verändert. Sie gehen heute zwar langsamer als früher, wirken aber noch topfit.
Vorderegger: Ich mache ja auch viele Übungen für die Muskeln. Dadurch kann ich noch halbwegs rund gehen. Denn je fitter man ist, desto mehr Möglichkeiten hat man mit solch einem Handicap im Alltag. Außerdem bin ich viel mit dem Rad unterwegs. Eine spezielle Prothese macht das möglich.

"Krone": Seit wenigen Wochen sind Sie Sportdirektor bei der Austria Klagenfurt in der Regionalliga Mitte. Eine schwierige Aufgabe...
Vorderegger: Die Bezeichnung Sportdirektor mag ich nicht so. Es gibt bei uns keinen Direktor. Wir alle arbeiten für den Verein. Und, ja, es ist eine schwierige Aufgabe. In den vergangenen Jahren ist im Kärntner Fußball viel Porzellan zerschlagen worden. Aber wir möchten die Menschen überzeugen, dass bei uns gut gearbeitet wird und wir haben ein starkes Team zusammengestellt.

"Krone": Unmittelbar vor Ihrem Unfall waren Sie Trainer in der Regionalliga. Wollen Sie zurück auf die Trainerbank?
Vorderegger:
 Das ist schwer vorstellbar. Als Trainer reicht es heutzutage nicht, alles verbal erklären. Du musst den Spielern auch praktisch einiges vorzeigen. Wie man den Ball richtig annimmt, wie man die Pässe richtig spielt und vieles mehr. Und das kann ich eben nicht mehr. Aber, mein Gott, ich muss mir nichts beweisen. Das Leben ist trotzdem schön.

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