03.07.2011 12:44 |

Roadster im Test

Mercedes SLK 200: Comfortster auf Männerfang

Der Mercedes SLK hat das Zierliche abgelegt und tritt jetzt als kleiner SL an. Damit will man vom Image des Frauenautos loskommen, 40 Prozent der Käufer waren weiblich. Ich war mit dem Einstiegsmodell unterwegs, dem SLK 200, der einen 184 PS starken Vierzylinder unter der recht mächtigen Motorhaube hat.

Eigentlich müsste er SLK 180 heißen, weil er nur 1,8 Liter Hubraum hat, aber Nomenklatur-Tuning kostet nichts, und 200 klingt einfach sportlicher (der SLK 250 hat übrigens den gleichen Hubraum).

Kleiner Motor mit viel Kraft
Name ist ohnehin Schall und Rauch, das wusste Goethe bereits zu einer Zeit, als vier Pferdestärken schon viel war. Mit den 184 im neuen kleinen Mercedes-Roadster lässt sich jedenfalls einiges anfangen. Der 1.360 Kilo wiegende Zweisitzer beschleunigt mit der optionalen 7-Gang-Automatik in glatt 7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und damit schneller als mit Handschaltgetriebe. Was ich allerdings erstaunlich finde.

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Die 7-G-Tronic schaltet nämlich komfortabel, aber ziemlich träge, sogar dann, wenn man sich mit den Paddles am Lenkrad spielt. Echtes Sportfeeling will da nicht aufkommen, daher würde ich auf jeden Fall das manuelle Sechsganggetriebe ordern.

Der Turbo-Vierzylinder macht seine Arbeit sehr gut und viel aktiver als das Getriebe, Kraft hat er in jedem Drehzahlbereich, und die stellt er souverän zur Verfügung. 270 Nm beträgt das maximale Drehmoment zwischen 1.800 und 4.600 Umdrehungen.

Sound kommt aus der Trickkiste
Für den Motorsound gibt es quasi einen zweiten, akustischen Turbo: einen Sound-Generator, der Ansauggeräusche vor der Drosselklappe abzweigt und in den Innenraum zwitschert. Richtig räudigen Sound darf man sich aber nicht erwarten. Das klingt eher wie eine Staubsaugerturbine, die sich beim Raufschalten ab und zu räuspert. Gar nicht schlecht für einen kleinen Vierzylinder, etwas zu wenig für einen Mercedes-Roadster.

In Sachen Fahrwerk eher Sportster als Comfortster
Wirklich gelungen ist das optionale Sportfahrwerk, mit dem der SLK perfekt auf der Straße klebt und keine Seitenneigung zeigt. Dennoch ist auf Kreuzbrecherstraßen so etwas wie Komfort zu haben. Die angenehm direkte Lenkung hält voll mit.

Beim Sprit hält sich der kleine SLK angenehm zurück, 6,1 Liter schafft er im Normzyklus (9,2 Liter im nicht zimperlichen Test), nicht zuletzt dank Start-Stopp-Automatik. Die ist ein Hit, weil der Motor praktisch verzögerungsfrei wieder anspringt, wenn man nur dran denkt, den Fuß von der Bremse zu nehmen. So unauffällig erlebt man das nicht oft.

SLK will mit den großen Jungs spielen
Optisch rückt die dritte Generation des Mercedes SLK in Richtung seines großen Bruders SL, und auch ein bissl SLS steckt in der Front. Die Formel-1-Nase wurde gestrichen, das macht ihn erwachsener. Und männlicher, denn: In Stuttgart ist man es leid, den Begriff Frauenauto zu hören. Was sich aber auch künftig nicht verhindern lassen wird.

Der Innenraum ist sportlich elegant, mit dem optionalen AMG-Paket mit Betonung auf sportlich. Warum in einem Nicht-Frauenauto, das wohl auch eher keine 18-Jährigen ansprechen soll, die Sicherheitsgurte rot sind, entzieht sich allerdings meiner Fantasie. Denn ansonsten ist hier alles sehr stimmig und hochwertig, bis hin zum Automatik-Wählhebel, der schlank und elegant ist wie ein normaler Schalthebel (VW z.B. hat zwar die bessere Automatik, aber dafür einen unterirdischen Wählhebel).

Platzangebot verlangt kaum Einschränkungen
Platz ist genug, auch was Ablagemöglichkeiten angeht. Besonders das Handschuhfach ist schon beinahe eher ein Hutfach. Rekordverdächtig im Roadsterkreis.

Der Kofferraum fasst 225 Liter. Wenn das Dach zu ist, sogar 335. Da geht sich auch eine größere Shoppingtour aus. Oder ein Wochenendausflug zu zweit. Liegt das Dach gefaltet im Gepäckabteil, ist der Zugriff natürlich eingeschränkt. Wenn es ein Wunschkonzert gäbe, würde ich mir eine Funktion wünschen, die die Dachteile etwas anhebt.

Apropos: Das Dach (wie eh und je beim SLK in festen Dachteilen ausgeführt) faltet sich elegant in gut 20 Sekunden weg und auch wieder her. Allerdings nur im Stand. Sobald sich der SLK bewegt, stoppen die Verdeckmotoren. Beim Öffnen und Schließen des Verdecks werden immer die Seitenscheiben hochgefahren, was bisweilen lästig ist, etwa wenn man das Dach an der Mautstelle einer italienischen Autobahnabfahrt öffnet, während man die Maut bezahlt und sich aus dem Fenster beugt.

Für die Offenfahrt bei kühlem Wetter bewährt sich wieder mal der sogenannte Airscarf, ein Gebläse, das Luft elektrisch erwärmt und als Nackenfön fungiert. Als Windschott sind im Testwagen zwei händisch schwenkbare Glasscheiben an den Überrollbügeln hinter den Kopfstützen montiert.

Die Preisliste beginnt bei 42.500 Euro. Für das Geld ist der SLK 200 schon ziemlich komplett ausgestattet. Der Testwagen kommt mit 7-Gang-Automatik (hier kann man den Rotstift ansetzen) und ein paar Spielereien trotzdem schnell auf 57.000 Euro.

Abgesehen vom Zweisitzerdasein und vom offenen Dach widerspricht beim SLK einiges dem, was ursprünglich mit dem Begriff Roadster verbunden wird. Ein anderer Begriff passt hier besser: Comfortster. Den erfüllt er zu 100 Prozent.

Stephan Schätzl

Warum?

  • Gelungen vermächtigte Optik.
  • Mit Sportfahrwerk sehr verbindliches Fahrverhalten.
  • Erhebt Roadsterfahren auf hohes Komfortniveau.

Warum nicht?

  • Zu träge Automatik für ein sportlich orientiertes Auto.
  • Die Handyantenne auf der Kofferraumhaube zerstört die Optik und steht fett im Rückspiegel (Sonderausstattung Komforttelefonie).

Oder vielleicht …

  • … BMW Z4, Audi TT

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