Mitarbeitermangel

Wer will noch kochen, kellnern, freundlich sein?

Ein großes Angebot, aber wenig Nachfrage. So präsentiert sich derzeit der Arbeitsmarkt. Denn viele Firmen suchen händeringend nach Mitarbeitern, viele Jobs sind frei. Und das, obwohl die Zahl der Langzeitarbeitslosen sehr hoch ist.

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Es prallen zwei Welten aufeinander, auch wenn man sich hinter den Kulissen teilweise gar nicht so uneinig ist, wie auf der (medialen) Bühne: Die Rede ist von Arbeiter- und Wirtschaftskammer. Die derzeitige Situation mit allzu vielen Branchen, die nicht wissen, wie sie Personal bekommen sollen, macht keinem Freude, Die Lösungsansätze sind aber diametral entgegengesetzt. Besonders betroffen sind nach zwei Pandemie-Jahren Gastro und Hotellerie.

„Anstatt zu jammern, dass es keine geeigneten Fachkräfte mehr gibt, sollen die Unternehmen die Arbeitsbedingungen verbessern, faire Löhne und Gehälter zahlen und mehr Respekt vor den Leistungen der Beschäftigten zeigen“, sagt Arbeiterkammer-Präsident Andreas Stangl kämpferisch. Ebenso in anderen Branchen, wie bei den Berufsfahrern, Zustellern und im Handel, wachse der Unmut. Gründe dafür seien laut den Erhebungen der Arbeiterkammer: Corona, Zeitdruck sowie ständige Arbeitsbelastung – siehe auch Interview und Grafik.

„Totalverweigerer“ sind das größte Problem
Während die Situation vor und hinterm Tresen überall gegenwärtig ist, weil diese letztlich auch die Gäste zu spüren bekommen, so ist sie doch „nur“ eine Nebenfront in der ganzen, auch demoskopiebedingten Malaise. Denn gar zu viele Landsleute wollen gar nicht mehr „hackeln“. Das meint zumindest Erhard Prugger von der Wirtschaftskammer OÖ: „Die ungewöhnlich hohe Langzeitarbeitslosigkeit ist eine große Herausforderung, wobei der akute Arbeitskräftemangel – fast 32.000 Stellen sind in OÖ offen – eine echte Chance ist, auch mehr Langzeitarbeitslose in Beschäftigung zu bringen.“

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Die Anreize sind in Österreich viel zu gering, weshalb wir ein gestaffeltes Arbeitslosengeld fordern: am Anfang mehr, dann weniger, unterm Strich gleich viel. Damit werden die ersten Monate, wo die Chance einer Arbeitsaufnahme am größten ist, besser genützt.

Erhard Prugger, WKOÖ

Und außerdem: „Die derzeit bestehende Zuverdienstmöglichkeit muss beschränkt werden: Arbeitslose plus Einkommen aus geringfügiger Beschäftigung plus Pfusch ergibt ein Einkommen, das im regulären Job oft nicht erzielbar ist …“

Teilzeit als neues Modell
Doch die Wirtschaftskämmerer haben auch ein interessantes Konzept im Talon: Die sogenannte Wiedereingliederungsteilzeit für Langzeitarbeitslose. Mit diesem Modell, bei dem das AMS, salopp gesagt, einen Teil des Lohns drauflegt, könne die schrittweise Rückkehr in reguläre Beschäftigung ermöglicht werden.

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