Geständnis per Brief

Missbrauch: Tiroler Pater von Dienst suspendiert

Tirol
27.06.2011 11:23
Die Anzeige einer heute 45-jährigen Frau gegen mehrere prominente Geistliche hat nun erste Konsequenzen nach sich gezogen: Jener Tiroler Franziskanerpater, der das mutmaßliche Opfer als Minderjährige im Vatikan missbraucht haben soll, ist am Wochenende von seiner Funktion als Schulseelsorger suspendiert worden. In einem Brief an die Ombudsstelle Innsbruck bekennt sich der Pater schuldig.

Der erste Vorfall, bei dem es zu einer sexuellen Berührung durch den Ordensmann gekommen sei, soll sich laut Sachverhaltsdarstellung im Jahre 1984 beim Weltjugendtreffen in Rom zugetragen haben.

Das mutmaßliche Opfer war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt und in Begleitung ihrer Schwester. Noch ein weiterer Vorfall, diesmal in Wien, wird darin geschildert, sowie ein späterer angeblicher Übergriff im Jahr 1997 - als die Frau Aussprache über die Vorfälle suchte. 2008 wandte sich die inzwischen Erwachsene an die Ombudsstelle Innsbruck, allerdings ohne Konsequenzen.

"Es tut mir wirklich leid"
Vor Monaten schrieb der beschuldigte Pater erstmals an die Ombudsstelle der Diözese Innsbruck. Darin bestätigt er, dass er die beiden Schwestern im Vatikan in sein Zimmer eingeladen habe. Wie es allerdings zu der Berührung gekommen sei, wisse er nicht mehr. Und in einem weiteren Brief vom 16. Juni heißt es: "Ich habe mich in meinem ersten Brief wirklich herauszureden versucht - sehe aber durch die Mitteilungen von (Name des mutmaßlichen Opfers, Anm.), dass ich im Unrecht bin und ihre Darstellung in allen Punkten richtig ist. Es tut mir wirklich leid, was ich (Name, Anm.) angetan habe und bekenne mich schuldig."

Verwirrung: Pater zog Geständnis zurück
Sein Geständnis soll der Franziskanerpater dem Vernehmen nach nun wieder zurückgezogen haben. Der Orden will den Fall nun prüfen. Der Generalvikar der Diözese Innsbruck, Jakob Bürgler, verwies am Nachmittag darauf, dass die Verantwortung in jedem Fall bei der Leitung der Ordensgemeinschaft liege. Bürger habe mit dem Verantwortlichen des Ordens Kontakt aufgenommen und sei sich sicher, dass "dieser die weiteren Schritte setzt und gewissenhaft und nachhaltig an der Klärung der Vorwürfe arbeitet." Auch die Diözese Innsbruck sei daran sehr interessiert.

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