Sieben Tage völlige Ruhe, ganz allein und das in luftiger Höhe. Die Ennserin Birgit Kubik hatte genau das. Die 50-Jährige war Eremitin im Linzer Mariendom. In der Krone erzählt sie, wie es ihr dabei ergangen ist.
Es begann mit einem ungewöhnlichen Geschenk zum 50. Geburtstag: „Ich habe mir eine Woche Eremitendasein im Mariendom gewünscht“, erzählt Birgit Kubik aus Enns. Ihre Familie und Freunde waren einverstanden, aber sie musste noch warten. Der Turmhelm wurde saniert, in dieser Zeit stand die Türmerstube, die man als Eremit bewohnen darf, nicht zur Verfügung.
„Aber schon die Aussicht auf diese Woche war bereits ein Anker für mich! Ein Lichtblick, einmal aus dem anstrengenden Familienalltag mit unserem autistischen Sohn Max rauszukommen“, erzählt sie offen. Kubik ist im Marketingbereich tätig, sie hat mit ihrem Ehemann zwei Söhne. Gerade der beeinträchtigte Jugendliche fordert sie manchmal enorm: „Er dominiert unseren Alltag.“
Irgendwann wurde mir klar: Ich brauche einmal Zeit für mich, sonst kann ich nicht mehr.
Eremitin Birgit Kubik
Ruhe pur
Als der Tag des Einzugs in die Türmerstube näher kam packte sie ihren Rucksack: „Ich nahm Bettzeug mit, warme Kleidung, Bücher, ein Schreibbuch, mein Waschzeug und eine Flasche Rotwein.“ Auch das Handy steckte sie ein: „Nur zur Sicherheit, aber ich telefonierte in dieser Woche nur zweimal mit meinem Mann und schickte meinen Söhnen ein paar Fotos.“ Keine WhatsApp-Nachrichten, keine Mails. „Für mich war klar: Ich will Ruhe pur!“
Leben auf neun Quadratmeter
Die Türmerstube ist neun Quadratmeter groß: „Es ist alles da, was man braucht.“ Und womit verbrachte sie ihre Zeit? „Endlich lesen, endlich in die Ferne schauen, so lange ich will. Ich verbrachte viele Stunden am Balkon. Wenn ich auf die Stadt blickte, war ich froh, keine der Ameisen da unten zu sein. Ich genoss das ,Nichts-tun-Müssen‘ sehr!“
Sie notierte Gedanken, „keine Lebens- und Sinnfragen!“, machte eine Domführung mit und freundete sich mit den Glocken an: „In den ersten Tagen sind sie mir so laut vorgekommen. Doch dann lebte ich mit ihnen.“
Kubik war mit einem großen Wunsch in ihre Eremitenrolle gestiegen: „Ich wollte den Dom als Kraftquelle erleben.“ Doch wieder musste sie warten: „Ich war fast enttäuscht. Erst am vorletzten Abend bei einer Meditation wurde ich von seiner Energie erfasst. Ich spürte Dankbarkeit, die Zuversicht, dass ich meinen Alltag wieder schaffen würde, kam zurück.“
Dieses Gefühl machte sie glücklich, ihr kamen sogar Tränen: „Diese Energie hatte ich gesucht. Und sie hat sich bis heute gehalten. Ich stehe in der früh anders auf und gehe zuversichtlich in den Tag.“
Das Angebot des Eremitendaseins im Linzer Dom haben bisher mehr als 260 Frauen und Männer genutzt. Das Interesse, sieben Tage in Stille zu verbringen, ist nach wie vor ungebrochen hoch.
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