Fund im Weinviertel

Siedlungen aus Ur- und Frühzeit bei Grabungen entdeckt

Niederösterreich
11.06.2011 14:28
Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten für den Bau der Gashochdruck-Transportleitung "Westschiene" im Weinviertel sind Siedlungen aus mehreren Perioden der Ur- und Frühzeit ans Tageslicht gelangt. Bei den Grabungen im Bereich von Ulrichskirchen-Schleinbach im Bezirk Mistelbach wurden u.a. Wohnplätze aus der frühen Jungsteinzeit (5. Jahrtausend vor Christus), der Frühbronzezeit (1800 bis 1600 vor Christus) und der Germanenzeit (2./3. Jahrhundert nach Christus) freigelegt.

Der für Archäologen bis dato "interessanteste" Fund sei laut dem Energieversorger EVN eine Vorratsgrube der frühbronzezeitlichen Aunjetitz-Kultur. Die Grube ist etwa 1,19 Meter tief und hat einen Durchmesser von 2,1 bis 2,5 Metern. Nach der Nutzung für Vorräte wurden drei Leichen in der Grube begraben. Da die Skelette (Bild) teils in verdrehter Lage bzw. aufeinanderliegend gefunden wurden, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass diese nicht klassisch bestattet, sondern eher "entsorgt" wurden. Neben den menschlichen Überresten wurde auch Keramik, darunter eine fast vollständige Tasse, gefunden. Auch Brandspuren wurden entdeckt - sowohl an den Skeletten als auch in Form von gebrannten Lehmflecken.

Grabungen laufen seit Mitte April
Seit Mitte April laufen die ersten Grabungen des Vereins AS-Archäologie Service in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Verein ASINOE (Archäologisch Soziale Initiative Niederösterreich) entlang der Trasse der neuen Gasleitung "Westschiene" der EVN, die in einer ersten Ausbaustufe von Auersthal bis Langenschönbichl verlaufen wird. Entlang dieser Strecke wurden im Vorfeld durch das Bundesdenkmalamt insgesamt zwölf Verdachtsflächen definiert. 

Aufgrund des engen Zeitfensters, innerhalb dessen die Grabungen abgeschlossen sein müssen, damit es zu keinen Verzögerungen des Leitungsbaues kommt, befinden sich stets mehrere Fundorte gleichzeitig in Arbeit, heißt es bei AS-Archäologie-Service. Nachdem Untersuchungen in Bockfließ mit einer "eher geringen Befundsituation" abgeschlossen wurden, begannen die Wissenschaftler Arbeiten in Kleinrötz, Rückersdorf und Ulrichskirchen – wo sie nun die Siedlungen ans Tageslicht brachten.

Einblick in 7.000 Jahre Besiedlungsgeschichte
Die Grabung in Ulrichskirchen befindet sich in unmittelbarem Anschluss an eine Fläche, die im Vorfeld der Errichtung der Nordautobahn vor wenigen Jahren bereits untersucht worden war. Damals wie auch bei den aktuellen Grabungen konnten laut AS-Archäologie-Service Befunde aus der Linearbandkeramik, der Frühbronzezeit und der römischen Kaiserzeit festgestellt werden. 

Bei den archäologische Grabungen, die von 2003 bis 2006 auf einer Länge von rund 47 Kilometern an den Trassen von A5 und S1 durchgeführt wurden, waren auf einer Fläche von 600.000 Quadratmetern 24 Fundstellen untersucht und etwa 6.000 archäologische Befunde (Siedlungsobjekte und Gräber) dokumentiert worden, teilte damals der Landespressedienst mit. Weitere archäologische Grabungen im Weinviertel sind für 2013 im Zuge der geplanten Umfahrung der S3 von Hollabrunn Süd bis Guntersdorf vorgesehen.

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