23.01.2005 19:12 |

"Musikament"

Mit Musik gegen Schmerzen

Musik beeinflusst Befinden, wirkt auf Gehirnvorgänge und Herzschlag, Atmung und Muskulatur. Diese Erkenntnisse sind nicht neu - bereits im antiken Griechenland wurde Musik zu Heilzwecken eingesetzt. Als "Musikament" sozusagen.
Österreichische Studien in Gastein zurBehandlung von Patienten mit mehrjähriger Schmerzgeschichteaufgrund von Rückenbeschwerden bewiesen, dass zusätzlichzur herkömmlichen Therapie der Einsatz von Musik hohen Nutzenin der Verarbeitung und Empfindung von Schmerzen darstellt.
 
Musik mit schmerzhemmender Wirkung
"Auch in anderen von unserer Arbeitsgruppe durchgeführtenStudien konnte gezeigt werden, dass Musik allein, aber noch besserzusammen mit Entspannungsanleitung, eine starke Schmerz hemmendeWirkung entfaltet. Darüber hinaus hat sie positiven Einflussauf begleitende Emotionen wie Angst, Ärger, Depressivitätund Hilflosigkeit", berichtet Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzkyvon der Universität Salzburg, Naturwissenschaftliche Fakultät.Auch der Arzneimittelverbrauch sank, die Patienten nahmen Therapiengenerell besser an .
 
Experten gehen davon aus, dass über die Stimulierungdes limbischen Systems, dem Gefühlszentrum, eine Veränderungder Stimmung eintritt. Dadurch wird die Schmerzverarbeitung gehemmt,Entspannung der Muskulatur ist die Folge. Musik kann außerdemverschiedene Transmitterstoffe (körpereigene Substanzen,die als Signalübermittler fungieren) anregen. Die Ausschüttungvon Dopamin z. B. wird durch rhythmische Musik verstärkt.Davon profitieren Parkinson-Kranke: Bei ihnen ist der Dopamin-Spiegelerniedrigt. Steigt er nach dem Hören geeigneter Musiktherapiewieder an, verbessert sich die Bewegungskoordination.
 
Bei Gehirnstrommessungen (EEG) in den USA kam eindeutigzu Tage, dass das Gehirn auf fröhliche Musik mit Entspannungreagiert, auf traurige mit Erregung. In einer anderen Untersuchungkonnten bei Patienten mit Myokardinfarkt, die in eine Intensivstationeingeliefert wurden, die Spitzenwerte in der Herzfrequenz unterdem Einfluss von Musik nach wenigen Sitzungen gesenkt werden.
 
Musiktakt orientiert sich an Herzschlag
Welche Klänge und Tonfolgen sind es aber, diebesonderen Nutzen bringen? Prof. Bernatzky: "Um Entspannung zuerzielen, sollte sich die entsprechende Musik am Herzschlag (60bis 70 Schläge in der Minute) und an der Atmung orientieren.Dazu eignen sich langsame Sätze der klassischen Musik - Andante,Adagio, Largo - am besten. Es kann auch die Lieblingsmusik desPatienten verwendet werden, Medidationsmusik ist ebenfalls empfehlenswert.Auch neu komponierte Entspannungsmusik (Cds aus dem Mentalis-Verlag)brachte in Studien beste Ergebnisse."
Freitag, 18. Juni 2021
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