Stellungskrieg
Nachschubprobleme, keine Kraft zur Gegenoffensive
Russen haben im Norden, Osten und Süden des Landes weite Gebiete erobert - aber ihr Vormarsch ist ins Stocken geraten. So sieht die Lage derzeit aus.
Die Russen liegen vor Kiew, Tag und Nacht gibt es Raketeneinschläge. Sie stehen auch vor Sumy im Norden und vor Charkiw, der zweitgrößten Stadt, ein Einwohner beschreibt die Lage dort als „die reinste Hölle“. Schlimmer noch ist es nur in Mariupol am Asowschen Meer, das in drei Wochen Bombenhagel im schrecklichsten Sinne des Wortes in Grund und Boden geschossen worden ist (siehe Video unten).
Dennoch halten sich dort noch mindestens 100.000 Menschen auf. Die Russen haben die strategisch wichtige Stadt Cherson an der Mündung des Dnepr in das Schwarze Meer eingenommen und dort eine willfährige Gouverneurin eingesetzt. Die Russen haben im vergangenen Monat - so lange dauert dieser Krieg bereits - weite Teile im Norden, Osten und Süden der Ukraine eingenommen. Sie kontrollieren nahezu die gesamte Küste am Schwarzen Meer.
Nur Odessa ist noch nicht in ihren Händen. Eine erste Offensive in Richtung Odessa ist vor geraumer Zeit gescheitert. Doch ein zweites Mal, so ein Bürgermeister aus der Region, würden die Ukrainer die Russen nicht mehr aufhalten können. Es würde einfach an schweren Waffen fehlen.
Ukraine fehlt die Kraft zur Gegenoffensive
Die Russen haben also schon einiges erreicht in diesem Krieg. Und sie sind stark genug, keine massive Gegenoffensive der Ukraine fürchten zu müssen. Dazu fehlt Kiew die Kraft - von einzelnen „Nadelstichen“ abgesehen. Dennoch: Der Vormarsch der Russen ist ins Stocken gekommen. Ihre Truppen stecken derzeit im Stellungskrieg fest. Sind wegen Verlusten und Nachschubproblemen auch selbst zu keiner echten Offensive in der Lage.
Russen haben Probleme mit dem Nachschub
Laut US-Geheimdiensten mangelt es den Russen an Treibstoff, an Munition und sogar an Lebensmitteln. Die Ausrüstung der Soldaten soll teils derart mangelhaft sein, dass Männer wegen Erfrierungen ausfallen. Dennoch erklärt Kremlsprecher Dmitri Peskow in einem Interview für den US-Sender CNN in akzentfreiem Englisch, dass alles „nach Plan“ voranschreite und man sich den gesetzten Zielen annähere. Er räumt allerdings ein, dass diese Ziele „noch nicht“ erreicht wären. Auf die Frage, ob Russland auch Atomwaffen einsetzen würde, sagt er: „Nur wenn wir uns in existenzieller Gefahr befinden würden.“
Unterdessen gehen die sogenannten Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland weiter. Beide Seiten erklären allerdings, dass die Gespräche „ziemlich schwierig“ seien und werfen sich gegenseitig vor, eine Blockadehaltung einzunehmen.
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Die Ukraine fordert ein Ende der Kämpfe sowie einen Abzug der russischen Truppen. Moskau verlangt, dass Kiew die Separatistengebiete im Osten des Landes als unabhängige Staaten sowie die russische Herrschaft über die annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim anerkennt. Außerdem müsse die Ukraine sich - nach dem österreichischen Modell - für neutral erklären und ihre Streitkräfte massiv abrüsten.













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