Mit der plötzlichen Blüte von Hasel und Erle hat die Pollensaison laut Experten heuer später, aber besonders heftig begonnen. Fachleute erwarten eine starke Saison, neun von zehn Allergikern sind zudem unzureichend versorgt. Das Risiko für allergische Erkrankungen steigt dadurch erheblich.
Sobald Niesen, Schnupfen und juckende Augen auftreten, merken Allergiker sofort: Es ist keine Erkältung, sondern die Pollen sind zurück. Viele Betroffene leiden durch den abrupten Start gerade besonders stark. „Die Belastungen durch die Frühblüher werden in den Niederungen und Tallagen vermutlich noch bis Ende März anhalten, aber bereits in der kommenden Woche deutlich an Intensität verlieren“, versicherte Lukas Dirr vom Österreichischen Polleninformationsdienst (ÖPID) am Dienstag in Wien.
Starkes Pollenjahr erwartet
Die Fachleute rechnen für 2026 insgesamt mit hohem Pollenaufkommen, hieß es bei der Pressekonferenz. Mit der Blüte der Esche folgt zwischen Mitte und Ende März die nächste Welle. Auch die Birkenblüte beginnt voraussichtlich in der zweiten Märzhälfte. „Da auf ein schwächeres Birkenjahr meist ein stärkeres folgt und 2025 unterdurchschnittlich verlief, ist heuer mit einer deutlich höheren Pollenproduktion zu rechnen“, so Dirr.
Viel Pollen heißt nicht immer starke Beschwerden, versicherte der Aerobiologe. Entscheidend sei der Verlauf – steigt die Belastung langsam, kann sich der Körper besser anpassen. Luftschadstoffe hingegen verstärken Symptome, etwa aktuell der Saharastaub, der die Schleimhäute reizt und dadurch die Tür für allergische Reaktionen weiter öffnet.
Klimawandel verkürzt die pollenfreie Zeit
Die Gräserblüte beginnt in der Regel Anfang Mai. Im Spätsommer kann die Schilfblüte rund um den Neusiedler See und in Seenregionen Kärntens zu Belastungen führen. Beifuß erreicht meist Mitte August den Höhepunkt. Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) sorgt im Spätherbst und das Unkraut Ragweed von August bis in den Oktober für Belastungen. „Durch klimatische Veränderungen verschieben sich die Blühzeiten vieler allergieauslösender Pflanzen: Sie beginnen früher, dauern länger und fallen teilweise intensiver aus. Die pollenfreie Zeit schrumpft dadurch zunehmend und umfasst oft nur noch wenige Wochen im Jahr“, erläuterte Dirr. Die Belastung beginne in Österreich mittlerweile um drei Wochen früher und halte mitunter bis in den November an, ergänzte Petra Zieglmayer, Allergologin und Fachärztin für HNO-Heilkunde.
Der Österreichische Polleninformationsdienst (ÖPID) erfasst, analysiert und kommuniziert seit fast 50 Jahren die Pollenbelastung. „Unser Messnetz umfasst 25 Pollenfallen in allen Bundesländern“, sagte HNO-Mediziner und ÖPID-Leiter Markus Berger. Der Polleninformationsdienst bietet Betroffenen und Fachpersonal die Informationen kostenlos. Neu sind „Pollee“, ein KI-Chatbot, und „Pollinar“, ein Webinar-Format, das im April in Kooperation mit der Patientenplattform IGAV startet.
ÖPID setzt sich im Rahmen eines EU-Projekts auch für allergikerfreundlich gestaltete Grünflachen ein. Denn: Noch hätten Stadtplaner das Thema Pollenallergien nicht ausreichend „am Schirm“, so die Experten. Es gehe nicht darum, Pflanzenbestand unmittelbar auszutauschen, vielmehr soll das Thema bei Neupflanzungen künftig mitgedacht werden. Grundsätzlich gebe es genug Arten, die sowohl allergikerfreundlich als auch klimafit seien, für Diversität könne gesorgt werden.
90 Prozent unterversorgt
Pollen sind laut der Fachleute die häufigsten Auslöser von allergischen Erkrankungen. Viele Betroffene halten sie für lästig, aber harmlos und verzichten lange auf ärztliche Abklärung. Neun von zehn Allergikerinnen und Allergikern seien unzureichend versorgt, so die HNO-Ärztin Zieglmayer. „So kommt es, dass es von den ersten Symptomen bis zum Beginn einer gezielten Therapie bis zu 15 Jahre dauert.“ Asthma drohe, und auch wirtschaftliche Auswirkungen durch verminderte Produktivität und Arbeitsausfälle. Diese vermeidbaren Kosten betragen demnach pro Patient und Jahr mehr als 2400 Euro.
Vor allem aber verursache allergischer Schnupfen bei Kindern und Erwachsenen Beschwerden, die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen können. Etwa jede/r Fünfte in Österreich leide an allergischer Rhinitis (Heuschnupfen, Anm.), ausgelöst durch Blütenstaub – eineinhalb bis zwei Millionen Menschen, die von spezifischer Behandlung, aufbauend auf Allergenvermeidung, Medikamenten und Immuntherapie, stark profitieren würden, so Zieglmayer.
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