Mo, 25. Juni 2018

'Will man mich noch?'

30.05.2011 09:23

Grazer BM dachte an Rücktritt - aber fing sich wieder

Rücktritt vom Rücktritt als Grazer Bürgermeister, dann der plötzlich wieder abgeblasene Umbau seiner VP-Regierungsmannschaft: Siegfried Nagl sorgte in den vergangenen Tagen für enorme Verwirrung bei den Parteifreunden und den Grazern. Im "Krone"-Interview zeigt sich Nagl sehr selbstkritisch - aber auch wieder voller Optimismus.

"Krone": Herr Bürgermeister, einmal wollen Sie zurücktreten, dann wieder nicht, einmal wollen Sie Ihre Regierungsmannschaft umbauen, dann wieder nicht. Was ist da plötzlich los?
Siegfried Nagl: Ich habe, das gebe ich offen zu, darüber nachgedacht, ob ich nach der kommenden Wahl im Jänner 2013 noch fünf Jahre für Graz arbeiten will, ob ich für Graz noch etwas weiterbringen kann, ob man mich überhaupt noch will in Graz. Es schadet nicht, wenn die Grazer wissen, dass ich mir solche Fragen stelle. Ich finde, dass Selbstreflexion in der Politik ohnehin viel zu selten ist!

"Krone": Sie haben Ihre Politik-Lust wiedergefunden?
Nagl: Ich bin nicht amtsmüde und meine Leidenschaft als Bürgermeister ist absolut vorhanden. Ich habe klare Ziele. Es muss Schluss sein mit dem provinziellen Denken! Graz muss zur Hauptstadt einer großen südlichen Region werden. Wir dürfen uns nicht immer im Klein-Klein verstricken! Es interessiert doch niemanden in der Bevölkerung, wie es Politikern geht und ob sich die Fraktionen verstehen. Es soll gearbeitet werden.

"Krone": Dennoch - zum ersten Mal seit vielen Jahren ist in der VP-Graz herbe Kritik an Ihnen zu vernehmen. Sie seien zu wankelmütig, heißt es zum Beispiel.
Nagl: Ich verstehe die Nervositäten. Die kommen auf, wenn der Erste in der Partei zu lange nachdenklich ist - was ich war. Ich habe diese Irritationen selbst verursacht und muss damit fertigwerden. Ich gehe davon aus, dass wieder Ruhe in der VP einkehren wird.

"Krone": So einfach wird das wohl nicht sein. Sie haben angeblich schon Versprechungen abgegeben, wer nach einer für demnächst geplant gewesenen und plötzlich abgesagten, Regierungsumbildung Stadtrat würde...
Nagl: So etwas verspricht der Nagl nicht. Wir haben viele ehrgeizige Leute in der VP, die etwas können. Deshalb formuliere ich ein klares Ziel für die Wahl 2013, nämlich so viele Stimmen zu erobern, dass wir einen weiteren Stadtrat dazugewinnen, damit die Ehrgeizigen bei uns zeigen können, was in ihnen steckt.

"Krone": Also gibt es jetzt keine Regierungsumbildung?
Nagl: Nein.

"Krone": Und den weiteren Stadtrat wollen Sie wie erobern?
Nagl: In einem ersten Schritt werden wir im Sommer ein Koalitionspapier 2.0 erarbeiten, den Grazern sagen, was Schwarz-Grün noch umsetzen wird. Wir sind gut beraten, den Grazern zu zeigen, was Schwarz-Grün kann. Auch wir von der VP werden vorlegen, was wir in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren für die Stadt erreichen wollen. Die großen Themen sind die Familien, die Pflege, die Senioren, die Kinderfreundlichkeit. Sicherheit und Sauberkeit sind die Pflichtaufgaben. Ich bin jedenfalls reformfreudiger als je zuvor.

"Krone": Die VP-Stadträte und auch Sie selbst stellen sich ab 1. Juni jeden Mittwoch per Stammtisch den Grazern. Ein Vorwahlkampf-Gag?
Nagl: Wir laden alle ein, uns zu sagen, was sie denken, über uns, über Graz. Es gibt ja auch Dinge, da habe ich mich geirrt, etwa was das große Einkaufszentrum beim Bahnhof angeht. Ich will mit den Grazern diskutieren!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.