Experte erklärt Lage

Schwache Schicht in Hängen: „Unsichtbare Falle“

Tirol
15.02.2022 07:00

Außergewöhnliche Dimensionen hatte am Sonntag eine Lawine an der Schafseitenspitze im Tiroler Navis - die „Krone“ berichtete. Für Experten kommen derzeit selbst solche massiven Ereignisse nicht völlig überraschend. Denn in weiten Teilen Tirols existiert eine Altschnee-Schwachschicht in den Hängen. Das Problem ist „unsichtbar“.

Spektakuläre 1000 Meter Länge und 400 Meter Breite hatte die Lawine auf der Nordseite der Schafseitenspitze. Wie berichtet, war ein einzelner einheimischer Tourengeher von gigantischen Schneemassen erfasst und verschüttet worden. Couragierte Zeugen konnten den 63-Jährigen orten und bergen. Er musste aber reanimiert werden und befindet sich in der Innsbrucker Klinik. Dort liegt er in äußerst kritischem Zustand auf der Intensivstation.

Gefahr in schattigen Hängen
„Gerade schattige Nordhänge in Höhen von 1600 bis 2500 Meter sind derzeit wie eine fast unsichtbare Falle“, erklärt Lawinenexperte Rudi Mair. Von außen seien diese Gefahrenstellen kaum erkennbar. Alarmzeichen sind die typischen „Wumm-Geräusche“ beim Begehen eines solchen Hanges. Nur teilweise bilden sich auch sichtbare Risse.

Ein solcher Riss war auch am Sonntag an der Hohen Salve erkennbar - bis dann tatsächlich eine mächtige Lawine mit zwei Metern Anrisshöhe und 300 Metern Länge abging. Die Suche nach möglichen Verschütteten verlief negativ.

Gefrierender Nebel im Jänner als Ursache?
Die Lawinensituation lasse sich aktuell am besten als „heimtückisch“ charakterisieren, gibt der Experte zu bedenken. Die Schwachstellen seien großflächig vorhanden. Ursache könnte gefrierender Nebel am 23. Jänner gewesen sein. Dieser bildete kantige Kristalle auf der Oberfläche – eine „Rutschbahn“ für den später neu gefallenen Schnee.

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Die Schwachschichten befinden sich in Tiefen von 30 bis 50 Zentimeter. Es können auch mehrere Schichten sein, die nicht gut miteinander verbunden sind.

Rudi Mair

„Die Schwachschichten befinden sich in Tiefen von 30 bis 50 Zentimeter. Es können auch mehrere Schichten sein, die nicht gut miteinander verbunden sind“, präzisiert der Experte. Falls nun etwas wärmere Temperaturen kommen, könnte sich das Problem durch die Setzung ein wenig entschärfen. Geografisch betrachtet ist Osttirol begünstigt, dort ist das Altschneeproblem nur am Tauernkamm vorhanden. Im Unterland wirken sich die häufig geringeren Höhen positiv aus.

Tipp für alle Profis und interessierte Laien: Auf www.lawinen.report sind detaillierte Schneeprofile abrufbar, die ständig aktualisiert werden.

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