Umzug dank Lesern

Michelles Mutter: „Werde beim Fest für Mimi beten“

Jahre musste eine Frau in der Wohnung, in der ihre Tochter ermordet wurde, leben. „Krone“-Leser ermöglichten ihr nun einen Umzug. „Zum ersten Mal seit der Tragödie schaffe ich es, wieder Weihnachten zu feiern“, sagt die 54-Jährige.

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Sie sind einfach immer da gewesen, die Gedanken an die grauenhafte Tat, die am Abend des 8. Dezember 2018 geschehen war. Als die 16-jährige Michelle von ihrem Freund, Saber A. (17), erstochen wurde.

In ihrem Kinderzimmer. In der Wohnung ihrer Mutter, im oberösterreichischen Steyr. „Ich“, schluchzt Ramona Fahrngruber, „hatte nichts von dem Drama bemerkt.“ Weil sie, während ihre Tochter sterben musste, fest geschlafen hat. Nebenan: „Ich verstehe es bis heute nicht: Ich wurde durch keinen Streit, keine Hilferufe geweckt.“

Und sie hat das Verbrechen erst Stunden später entdeckt: „Ich werde nie diesen entsetzlichen Moment vergessen: Ich machte am 9. Dezember die Türe zu dem Raum meiner Mimi auf - und sah sie tot am Boden liegen.“ Die Tragödie - unverkraftbar für die Frau: „Ich begann, an schweren Depressionen zu leiden, Psychiater verschrieben mir Psychopharmaka, die ich natürlich einnahm, um meinen Schmerz ein wenig zu lindern.“

Doch die Medikamente machten sie extrem müde. Fazit: „Irgendwann bin ich arbeitsunfähig geschrieben worden.“ Weswegen das Geld knapp wurde, „und ich mir keinen Umzug leisten konnte“. Wodurch sich ihr Zustand noch mehr verschlechterte: „Weil ich dazu verdammt war, an dem Ort, an dem mein Mädchen umgebracht worden war, weiterzuleben.“

Bald Kurs beim AMS und „danach hoffentlich einen Job“
Die Kronen Zeitung hat im vergangenen Jahr ausführlich über das Schicksal der 54-Jährigen berichtet und ihre Leser um Spenden für die Frau ersucht. Die Summe, die Romana Fahrngruber folglich bekam, reichte nun für eine Übersiedelung aus. „Seitdem geht es mir seelisch besser. Ich nehme jetzt viel weniger Pillen. Bin fit genug, um bald beim AMS einen Kurs zu beginnen. Und danach werde ich hoffentlich einen Job vermittelt bekommen.“

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Zum ersten Mal seit der Tragödie schaffe ich es, wieder Weihnachten zu feiern. Mit meinen drei anderen Kindern.

Ramona Fahrngruber

Die Frau feiert heute auch wieder - zum ersten Mal nach Michelles Tod - Weihnachten. Am Nachmittag kommen ihre anderen drei Kinder zur ihr: „Ich koche für sie, wie früher, eine Suppe.“ Ein Foto des ermordeten Mädchens soll während des kleinen Familienfests auf dem Esstisch stehen. „Wir werden alle für unsere Mimi beten. Und ihr sagen, wie sehr wir sie vermissen.“

Martina Prewein
Martina Prewein
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