Nach Krebs oder Unfall

Ohr aus dem 3-D-Drucker

Alles andere als eine Utopie: Hörorgan und Nase - oder Teile davon - können in Zukunft mittels neuer, passgenauer Methode ersetzt werden. Die Technik wird voraussichtlich bereits kommendes Jahr österreichweit zum Einsatz kommen.

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Der 3-D-Druck hat sich in der Medizin mit rasanter Geschwindigkeit ausgebreitet. Im Bereich des Zahnersatzes gilt er als etabliert, auch Gelenkimplantate funktionieren. Ass.-Prof. OA Dr. Dirk Hellekes, Facharzt für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Sigmund Freud Privatuniversität Wien, und Mitentwickler Ing. Lukas Porak haben nun auch eine Lösung dafür gefunden, wenn Teile eines Ohres oder einer Nase ersetzt werden müssen, wie es z. B. nach Unfall, Krebserkrankung oder bei Fehlbildungen der Fall ist.

Knorpelmaterial gewinnt man etwa aus den Rippen
„Ein solches, auf den jeweiligen Patienten millimetergenau angepasstes Rekonstrukt (Anm.: eine Hohlform) besteht aus einem bestimmten Kunststoff und wird mit körpereigenen, zerkleinerten Knorpelteilen des Betroffenen gefüllt. Das dafür nötige Material stammt aus dem Bereich seiner Ohren, Nasenscheidewand oder Rippen“, erklärt Prof. Hellekes. Bislang war die Rekonstruktion des Hörorgans manuelle und filigrane Schwerstarbeit für Chirurgen: „Wir haben aus einer Rippe des Patienten ein Ohr geformt. Dafür war viel Biegen und Fräsen notwendig. Insgesamt ein sehr aufwändiger Prozess“, berichtet er. Modelle aus dem 3-D-Drucker fungierten bislang nur als Vorlage für die Operation.

Wie kommen Betroffene nun zu ihrem „neuen“, exakt passenden Hörorgan? „Das komplette, gesunde Ohr dient als Muster für das unvollständige. Die Daten werden mittels 3-D-Scanner eingelesen und davon ein Modell am Computer erstellt. Danach spiegeln wir die Datei und schicken sie an den 3-D-Drucker“, beschreibt der Experte den Vorgang in vereinfachten Worten. „Anschließend muss das Rekonstrukt rund zehn Stunden durch Gas sterilisiert werden. Erst dann kann man es mit den Knorpelteilen, wie bereits erwähnt, befüllen und schließlich implantieren.“ In den darauffolgenden Monaten vermehrt sich das Knorpelmaterial, die Kunststoffhülle löst sich nach etwa zwei bis vier Monaten wieder auf.

Methode funktioniert auf „einfachem“ Drucker
Für die technische Umsetzung wurde übrigens bewusst ein Consumer 3-D-Drucker (ein Gerät für den Privatgebrauch) gewählt. „Wir wollten nämlich den apparativen wie finanziellen Aufwand möglichst gering halten. So kann diese Technik künftig auch in kleinen Spitälern oder sogar Entwicklungsländern fernab von Laboren, wie sie nur an universitären Großkliniken existieren, angewendet werden“, ist Prof. Hellekes zu Recht stolz. Noch befindet sich die Methode in der Zulassungsphase. Er ist jedoch zuversichtlich, dass diese bereits ab dem Frühjahr/ Sommer 2022 für Patienten in Österreich zur Verfügung steht.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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