24.11.2021 15:28 |

RentAHitman.com

Frau geständig: Auftragskiller auf Ex-Mann gehetzt

Dass Satire mitunter nur schwer als solche zu erkennen ist, zeigt ein kurioser Fall in den USA. Eine Frau hatte dort doch tatsächlich versucht, über die Website RentAHitman.com einen Auftragskiller anzuheuern. Bevor Schlimmeres passieren konnte, klickten allerdings die Handschellen.

„RentAHitman“ (dt: Miete einen Auftragskiller) wirbt auf seiner Website damit, „Probleme“ schnell und sicher („Das Dark Web ist nicht sicher, aber wir sind es!“) auf die etwas andere Art zu lösen. Davon zeugen auch die zufriedenen Aussagen vermeintlicher Kunden: „Guido und sein PR-Team waren in der Lage, einen fünfjährigen Streit innerhalb weniger Tage beizulegen. Äußerst empfehlenswert!“, schreibt etwa einer. Eine andere Kundin berichtet: „Ich habe meinen Mann beim Fremdgehen mit der Babysitterin erwischt und unsere Beziehung wurde nach einer kostenlosen PR-Beratung beendet. Ich bin jetzt wieder Single und möchte mich unters Volk mischen. Danke Guido!“

„Guido“ heißt eigentlich Bob Innes, stammt aus Kalifornien, ist 54 Jahre alt und laut einem Bericht der „Washington Post“ der Betreiber der alles andere als ernstzunehmenden Website, die sogar über ein eigenes Kontaktformular verfügt, über das Kunden Anfragen stellen und dabei auch Angaben zur zu liquidierenden Zielperson machen können.

„Sie war wild entschlossen, sich zu rächen“
Gebrauch von diesem Formular machte auch Wendy Wein. Die 52-Jährige aus dem US-Staat Michigan ist dem Bericht nach eine von rund 700 Personen, die seit der Gründung der Website im Jahr 2005 auf diese hereinfielen und für bare Münze nahmen. Sie hatte im Juli vergangenen Jahres Kontakt mit „RentAHitman“ aufgenommen, um ihren Ex-Mann beseitigen zu lassen. „Sie war wild entschlossen, sich zu rächen, um ihren Ex-Mann auszuschalten“, schilderte Innes.

Wie bereits in anderen Fällen zuvor, vergewisserte sich Innes, ob Wein es mit ihrem Anliegen wirklich ernst meinte. Er schickte eine E-Mail mit zwei Fragen: „Benötigen Sie unsere Dienste noch? Und möchten Sie, dass ich Sie mit einem Außendienstmitarbeiter in Kontakt bringe?“

Wein bejahte und willigte ein, sich mit einem der 17.985 „Außendienstmitarbeiter“ zu treffen - was zufällig der ungefähren Zahl der Strafverfolgungsbehörden in den USA entspricht. Bei einem persönlichen Treffen mit diesem vor einem Café beschrieb Wein detailliert ihren Ex-Mann und gab seine Adresse, seinen Arbeitsplatz sowie die Zeiten an, zu denen er zur Arbeit ging und nach Hause kam.

Mindestens neun Jahre Haft für Anstiftung zum Mord
Anschließend gab sie dem „Auftragskiller“ eine Anzahlung von 200 Dollar und erklärte sich bereit, nach Beendigung des Auftrags 5000 Dollar zu zahlen. Der „Außendienstmitarbeiter“ entpuppte sich jedoch als Polizist der Michigan State Police, der Anzeige gegen Wein erstattete. Die Frau bekannte sich Anfang des Monats der Anstiftung zum Mord schuldig. Das Urteil wird im Jänner erwartet, ihr drohen mindestens neun Jahre Haft.

„Ich verstehe es nicht“, zeigte sich Innes gegenüber der „Washington Post“ verblüfft, dass seine Website auch nach all den Jahren noch von vielen nicht als Fälschung erkannt wird. „Die Leute sind einfach dumm.“ Dabei hatte Wein anfangs durchaus Zweifel: „Es ist irgendwie seltsam, dass Ihr Unternehmen nicht im Deep oder Dark Web ist“, schrieb sie laut Innes. „Ich ziehe es vor, nicht ins Gefängnis zu gehen. Vielen Dank für Ihre Zeit.“

Ursprünglich anderer Zweck
Innes startete seine Website übrigens nicht, um Kriminelle zu fangen, sondern als mögliche Geschäftsidee. Von 2003 bis 2005 studierte er Netzwerksicherheit und dachte darüber nach, ein Unternehmen zu gründen, das die Online-Infrastruktur eines Unternehmens auf Schwachstellen testet. Außerdem sammelte er Domänennamen in der Hoffnung, sie gewinnbringend weiterzuverkaufen. Am 5. Februar 2005 registrierte er RentAHitman.com und spielte damit auf die doppelte Bedeutung des Wortes „Hit“ an, das sich sowohl auf einen Angriff auf ein System als auch auf Online-Ansichten, also Klicks beziehen kann.

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