06.11.2021 13:30 |

Personal am Limit

Kraftakt für den Pflegebereich gefordert

Die Situation im Pflegebereich in Tirol ist nicht erst seit gestern prekär. Trotzdem passiert laut Liste Fritz zu wenig, um den drohenden Super-GAU noch abzuwenden: „Jede(r) zweite überlegt, auszusteigen und einen anderen Beruf zu ergreifen. Den GAU, den größten anzunehmenden Unfall, den haben wir schon“, so LA Andrea Haselwanter-Schneider und verlangt ein 100-Millionen-Euro-Paket.

100 Millionen Euro sofort und nicht auf zehn Jahre verteilt: „Was für die Rettung der Tourismusverbände im Land recht war, muss auch für den Pflegebereich möglich sein“, erklärte Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider, die selbst jahrelang in diesem Bereich gearbeitet hat. „Dass ich im Landtag die einzige bin, die mit dem Thema wirklich etwas am Hut hat, macht mich wütend“, sagte sie am Freitag.

Ping-Pong-Spiel
„Seit 2008 spitzt sich die Situation im Pflegebereich zu, wir laufen sehenden Auges in ein Desaster.“ Angekündigte Reformen blieben aus, seit Jahren werde das Thema „zerredet“, die Zuständigkeiten zwischen Bund und Land hin- und hergeschoben. „Jetzt will die zuständige Landesrätin Annette Leja auf den großen Wurf im Bund warten. Diesen großen Wurf wird es nicht geben“, ist LA Haselwanter-Schneider überzeugt.

Mit Praktikern reden
Das Land hätte die Möglichkeit, Dinge umzusetzen bzw. auszuprobieren. „Dazu müsste man sich halt auch einmal hinausbewegen aus dem Landhaus und mit den Leuten reden. Die Praktiker wüssten schon, wo der Hebel anzusetzen ist“, sagt Haselwanter-Schneider.

Anträge versanden
Auch Ideen seien jede Menge vorhanden: Seit 2013 habe die Liste Fritz 31 Anträge zur Pflege eingebracht, davon seien 25 von Schwarz-Grün eingestampft worden. „Tragisch ist: Auch die übrigen sechs angenommenen Anträge harren noch der Umsetzung. Es ist jetzt keine Zeit mehr für politische Spielchen, die Geduld der Menschen ist am Ende.“

Junge Fachkräfte wandern ab
Jede zweite Pflegekraft überlegt, auszusteigen. Regelmäßig erhält Haselwanter-Schneider Briefe verzweifelter Pflegekräfte. Viele wechselten zu Fachärzten oder arbeiten als Leasing-Fachkräfte, wo die Bezahlung besser ist und die Arbeitszeiten geregelt sind. Die Probleme beginnen schon bei der Ausbildung: „Während Lehrlinge eine Entschädigung erhalten, wurde Auszubildenden in der Pflege sogar das Essen gestrichen.“

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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