02.11.2021 17:00 |

Würdiges Lebensende

Wer weiß, dass Tiere keine Seele haben?

Der Tag des Gedenkens aller Seelen ist auch für diejenigen ein besonderer, die glauben, dass nicht nur der Mensch beseelt ist. Auch dem tierischen Lebensgefährten kann ein pietätvolles Lebensende bereitet werden. Die Imsterin Karin Auer sorgt für den damit verbundenen Seelenfrieden – vor allem für die Tierhalter.

„Ein Tier liebt bedingungslos und kann wie ein Geschwister sein. Der Tod kann oft ähnliche tiefe Trauer hervorrufen wie der Verlust eines menschlichen Angehörigen“, erzählt Karin Auer. Die Imsterin, die auch in der Lebenshilfe arbeitet, hat eine ausgeprägte soziale Ader und konnte die Zuneigung zu Tieren immer schon nachvollziehen, weil sie sie selbst fühlt. Seit Februar begleitet sie den letzten Weg jener Oberländer und Außerferner Tierhalter, die ihren Lieblingen einen würdigen Abschied aus diesem Leben bereiten wollen.

Was ist nach dem Tiertod?
„Die Vorstellung, in der Tierkörperverwertungsanlage zu enden oder sogar an Fische verfüttert zu werden, ist für immer mehr Tierliebende unerträglich“, schildert Auer, die es dabei so richtig „abbeutelt“. Die einzige Alternative sei jenes Ritual, das auch immer mehr Menschen wählen: eine Kremierung, sprich Verbrennung. Sie wolle mit dieser Möglichkeit den Trauernden die Augen öffnen, wenn ein Haustier die Augen verschließt, denn viele würde dies gar nicht wissen.

Unglaubliche Tierliebe
„Ich bringe ihren Liebling in einer anderen Form zurück“, sagt sie, die ab der Einschläferung den Betroffenen zur Seite steht: Vom Transport vom Tierarzt zum Kleintierkrematorium nach Itter – übrigens das einzige in Tirol – bis hin zur Bringung der Asche in einer Urne oder sogar als Inhalt einer Halskette oder einem anderen Erinnerungsstück. „Die meisten richten dann pietätvoll eine Ecke ein, die sie an den treuen Gefährten erinnert“, deutet Auer auf Fotos auf ihrem Handy. Ein Telefonat der „Krone“ mit einem „Kunden“ führt vor Augen, wie tief eine Tierliebe gehen kann: „Ich habe die Asche meines verstorbenen Hundes zuhause und habe bereits in meinem Testament verankert, dass diese nach meinem Tod mit meiner vereinigt werden soll.“

Ratten, Vögel, sogar Fische
Die Tierärzte sind bereits Partner und können dem würdigen tierischen Lebensende einiges abgewinnen. „Die Leute ahnen wahrscheinlich gar nicht, zu welchen Tieren man eine innige Beziehung aufbauen kann“, sagt die Imsterin, „zu uns werden auch Ratten, Vögel, Vogelspinnen, Reptilien und sogar Fische gebracht. Und viele sind von den Kosten zwischen 200 und 500 Euro positiv überrascht.“ Ein überschaubarer Preis für den Frieden aller Seelen. So werden heute einige Trauernde vor der Erinnerungsecke stehen und ihrem tierischen Verstorbenen Gedanken spenden.

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