14.10.2021 14:14 |

Rufe nach Zerschlagung

Amazon soll Waren anderer Verkäufer kopiert haben

Nach einem Bericht über mutmaßlich unlautere Geschäftspraktiken von Amazon werden Rufe nach Konsequenzen laut. Der Internet-Gigant soll in Indien die Suchergebnisse zugunsten eigener Produkte manipuliert und Waren anderer Verkäufer kopiert haben. Die prominente US-Senatorin Elizabeth Warren bekräftigte daraufhin am Donnerstag ihre Forderung nach einer Zerschlagung des Konzerns.

Wie eine Auswertung Tausender interner Amazon-Dokumente - E-Mails, Strategie-Papiere und Geschäftspläne - durch Reuters ergab, manipulierte der US-Konzern in Indien systematisch Suchergebnisse und kopierte Produkte anderer Hersteller, um die eigenen Waren besser zu verkaufen. Dafür nutzte das Eigenmarken-Team des Unternehmens in Indien heimlich interne Daten von Amazon.in. Angestellte suchten sogenannte „Benchmark-“ oder „Reference“-Produkte anderer Hersteller, um sie nachzumachen. Die Dokumente zeigen auch, dass hochrangige Manager Kenntnis von dieser Strategie hatten.

Das bestätige Befürchtungen, dass der Konzern seine Monopolmacht ausnutze, kommentierte Warren. „Das ist einer der vielen Gründe, warum wir ihn zerschlagen müssen.“ Die US-Senatorin kritisiert seit Jahren die Marktmacht von Unternehmen wie Amazon und fordert deren Zerschlagung. Amazon selbst bezeichnete die Vorwürfe als faktisch falsch und substanzlos. In einer eidesstattlichen Aussage vor dem US-Kongress im vergangenen Jahr hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos erklärt, das Unternehmen verbiete seinen Mitarbeitern, Daten über einzelne Verkäufer zu verwenden, um sein Eigenmarkengeschäft zu unterstützen.

„Großer Nachteil für kleine Hersteller“
In Indien rührt sich indes Widerstand gegen die Praktiken des Internetriesen. Interessenvertreter forderten eine Untersuchung der Angelegenheit durch die Regierung. „Amazon verursacht einen großen Nachteil für die kleinen Hersteller. Sie essen von dem Kuchen, der nicht für sie bestimmt ist“, sagte Praveen Khandelwal von der Confederation of All India Traders. Die Gruppe vertritt nach eigenen Angaben 80 Millionen Geschäfte. Indische Einzelhändler werfen ausländischen E-Commerce-Unternehmen wie Amazon und der Walmart-Tochter Flipkart seit längerem unlautere Geschäftspraktiken vor, die kleineren Unternehmen schaden. Amazon und Co bestreiten dies.

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