09.10.2021 13:34 |

Wertestudie belegt:

Vorarlbergs Junge wünschen sich sinnvolle Arbeit

Warum der Job für Junge mehr als Pflicht und monetäre Absicherung ist, was das für die Wirtschaft bedeutet und wie sich der Arbeitsmarkt bei den unter 25-Jährigen entwickelt.

Unsere Gesellschaft befindet sich nicht erst seit Corona im Wandel. Vielmehr entwickelt sich speziell die westliche Welt seit einigen Jahrzehnten weg von einer industriellen hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Zudem haben Digitalisierung, Automatisierung, Flexibilisierung und Entgrenzung zur Vermischung des beruflichen und privaten Lebens geführt.

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Wie will die Vorarlberger Bevölkerung zwischen 16 und 35 Jahren in Zukunft arbeiten und leben?

Motto der Wertestudie

Die Pandemie hat diesen Wandel nur vorangetrieben - Experten sprechen von drei bis fünf Jahren, die Österreich hinsichtlich Digitalisierung und moderner Arbeitswelt „gewonnen“ hat. Gleichzeitig gibt es einen Trend hin zu mehr Individualisierung inklusive Wunsch nach Selbstverwirklichung und persönlicher Entfaltung - insbesondere bei jungen Menschen, wie eine vom AMS Vorarlberg in Kooperation mit der Fachhochschule Vorarlberg initiierte Wertestudie ergab. Unter dem Motto „Wie will die Vorarlberger Bevölkerung zwischen 16 und 35 Jahren in Zukunft arbeiten und leben?“ wurden Schüler, Studenten, Berufstätige in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und mit unterschiedlichen Ausbildungen sowie nicht berufstätige Menschen befragt.

Mehr als nur Broterwerb
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wenngleich etwa Einkommen oder Sicherheitsaspekte nach wie vor wichtig sind, wollen junge Menschen vermehrt eine Arbeit ausführen, die mehr als nur Pflichterfüllung ist und die über die monetäre Absicherung hinausgeht. So gaben etwa 75,5 Prozent der Befragten an, es sei „wichtig“ bis „sehr wichtig“, dass der Beruf ihnen das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles zu tun. Für rund zwei Drittel spielt zudem die berufliche Mitbestimmung in Form von aktiver Beteiligung an Arbeitsprozessen und Einbringen von Verbesserungsvorschlägen eine entscheidende Rolle. Flexibilität ist indes nicht in allen Bereichen gefragt. So wünschen sich zwar 68,8 Prozent flexible Arbeitszeiten, Desk Sharing sowie Job Sharing werden allerdings eher abgelehnt: Über 40 Prozent möchten keine flexiblen Arbeitsplätze und sogar mehr als die Hälfte können es sich nicht vorstellen, eine Vollzeitstelle mit jemandem anderen zu teilen.

Wertvolle Erkenntnisse
„Die Studie liefert Erkenntnisse, die auch für Unternehmen wertvolle Hinweise für ein gezieltes Employer Branding liefern können“, ist AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter überzeugt. Mit der Impulsberatung für Betriebe unterstütze das AMS bereits Unternehmen, die sich intensiv mit dem Thema Arbeitgeberattraktivität befassen und damit beim Wettbewerb um gute Arbeitskräfte punkten möchten. Der Kampf um die besten Köpfe fängt schon bei den Lehrlingen an. Nach dem „Coronaschock“ im Vorjahr hat sich der Lehrstellenmarkt mittlerweile wieder normalisiert.

Kampf um Lehrlinge
Die Normalität der vergangenen Jahre lautet: Die Nachfrage nach jungen Kräften ist höher als das Angebot. Konkret fielen im September exakt 200 Lehrstellensuchende auf 681 offene Lehrstellen. Wobei Bereuter betont, dass Angebot und Nachfrage nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ auseinandergehen: „Die Tourismusbranche sucht beispielsweise händeringend nach Mitarbeitern und hat dementsprechend viele Lehrstellen ausgeschrieben. Allerdings haben aktuell nur vier der bei uns vorgemerkten Jugendlichen den Wunsch, in diesem Bereich zu arbeiten.“

Qual der Wahl
Generell haben junge Menschen am Arbeitsmarkt derzeit sehr gute Chancen: So lag die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen unter 25 Jahren im September mit insgesamt 1289 Personen um satte 19 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Und es ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung anhalten wird. Umso wichtiger ist es folglich für Unternehmen, die Erwartungen und Wünsche ihrer jungen Mitarbeiter ernst zu nehmen. Wer das nicht tut, wird den Kampf um die besten Köpfe und fleißigsten Hände zwangsläufig verlieren.

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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