Fehlende Studienplätze

Kinderärzte-Mangel wird in NÖ noch Jahre dauern

In St. Pölten praktiziert seit Jahresbeginn kein einziger Kinderarzt mehr auf Krankenschein. Doch was braucht es für eine Trendwende? An den Verdienstmöglichkeiten alleine kann es laut Gesundheitskasse und Ärztekammer nicht liegen. Das Problem scheint schon in der Ausbildung begründet. Die „Krone“ hat sich umgehört.

Der Ärztemangel greift immer mehr um sich – gerade was den Bereich Kinder- und Jugendheilkunde betrifft. Hier sind niederösterreichweit derzeit 13 Kassenstellen unbesetzt. Sogar in der Landeshauptstadt gibt es seit dem heurigen Jahr gar keinen Kassen-Kinderarzt mehr. Mit 14. September endete hier die Bewerbungsfrist für eine der vier freien Stellen. Und auch dieses Mal hat sich niemand gemeldet. Eine Tatsache, die viele Ursachen zu haben scheint. Ein Hauptgrund sei, dass „immer weniger Kinderärzte ausgebildet werden. Ausbildungsplätze sind oft sehr schwer zu bekommen“, heißt es auf „Krone“-Anfrage von Seiten der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Das bestätigt auch die Ärztekammer NÖ. In den Krankenhäuser seien Kinderärzte ebenfalls rar, es seien seit einigen Jahren zu wenig Mediziner dieses Fachgebiets ausgebildet worden.

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Es müssen mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden. Hier wurde in den letzten Jahren viel verabsäumt, sogar Stellen reduziert.

Matthias Stadler, SPÖ-Bürgermeister in St. Pölten

Die oftmals angedeuteten geringen Verdienstmöglichkeiten sollen nicht Schuld an der Misere sein. Durch überdurchschnittliche Honorarerhöhungen werde seit 2017 versucht, die Kinderheilkunde massiv aufzuwerten, heißt es bei der ÖGK. Allein 2019 gab es in dem Bereich ein Plus von 13,67 Prozent.

„Ansprüche haben sich geändert“
Eine Einschätzung aus der Praxis kommt von Dieter Baumgartner. In seiner 34-jährigen Laufbahn als Kinderarzt hat er viele Entwicklungen miterlebt. „Die Ansprüche an die Kinderheilkunde haben sich massiv geändert. Die jungen Fachärzte wollen in Spezialambulanzen praktizieren“, weiß der Vizepräsident der Ärztekammer NÖ. Auch die hohe Zahl an ausländischen Studierenden sieht er problematisch, da diese im Anschluss in die Heimat zurückkehren, um dort zu arbeiten. „Aber auch Österreicher wandern nach Deutschland ab, da der Verdienst höher ist.“ Die größte Hürde seien die Aufnahmetests für das Medizinstudium: „Diese sind zu wissenschaftlich, hier müssten die praktischen Fähigkeiten in den Vordergrund rücken.“

Petra Weichhart
Petra Weichhart
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