06.08.2021 05:00 |

„Schlankheitsformel“

Essen ohne zunehmen: Liegt es in den Genen?

Manche Menschen können essen, so viel sie wollen und bleiben dennoch schlank. Für die meisten ist dies jedoch ein Wunschtraum, der nicht in Erfüllung geht. Forscher haben eine mögliche Erklärung gefunden.

Spindeldürre Models und mehrfach schönheitsoperierte Schauspielerinnen, die mit dem unschuldigsten Lächeln der Welt behaupten: „Ich kann essen was ich will, ich nehme einfach nicht zu“, dürfen wir getrost in die Märchenschublade stecken. Aber bei einigen wenigen Menschen stimmt es tatsächlich - sie tragen eine seltene Genvariante, welche nur bei 4 von 10.000 Personen auftritt, in sich. Das wären dann in Österreich etwa 3550 Glückliche. Was diese Mutation bewirkt? GPR75, so die Bezeichnung der Sequenz im Erbgut, bedingt statistisch gesehen 1,8 kg/m2 geringeren BMI, 5,3 kg weniger Körpergewicht und 54% verringertes Risiko für Übergewicht gegenüber jenen, die eine solche Mutation nicht aufweisen.

Zu viele Kalorien dürfen es nicht sein
Ein Freibrief für uneingeschränktes Schlemmen ist das freilich auch nicht, denn ein Übermaß an Energiezufuhr schlägt sich logischerweise in Fettaufbau nieder. Aber eben möglicherweise nicht ganz so massiv. Besagte Genträger bleiben tatsächlich signifikant öfter schlank. Nun wird erörtert, ob sich daraus Therapiestrategien bei Fettleibigkeit, Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen ableiten lassen.

Dieselbe Studie von 60 internationalen Autoren, veröffentlicht im „Science Magazine“/Juli 2021, belegt insgesamt 16 neue Gene, die in Zusammenhang mit dem Body Mass Index stehen. Auffällig viele davon im Hypothalamus, einem lebenswichtigen Teil des Zwischenhirns, der Schaltstelle für die neuroendokrine Regulation (hormonell gesteuert) der Energiebilanz. Untersucht wurden nicht weniger als 645.626 Probanden aus Großbritannien, den USA und Mexiko. Mittlerweile sind bereits rund eine Million Genvarianten für Übergewicht bekannt. Forscher der Abteilung für Epidemiologie am Zentrum für Public Health der MedUni Wien bestätigten im Vorjahr im Zuge einer Kooperationsstudie mit der Universität Helsinki, Finnland, dass genetische Risikofaktoren das Gewicht beeinflussen, indem sie das Essverhalten steuern.

„Ich kann einfach nicht aufhören zu essen“
Das gilt ganz besonders beim Zwischendurch-Essen („Snacking“), Naschen und der Neigung, sich zu „überfressen“. Demnach handelt es sich nicht ausschließlich um anerzogene oder „schlechte“ Gewohnheiten. Trotzdem ist man dem nicht hilflos ausgesetzt und kann sein Verhalten aktiv beeinflussen. Betroffene müssen sich aber damit bewusst auseinandersetzen.

Karin Podolak
Karin Podolak
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