Problem „Blockierte“

Selbstüberschätzung auf den Tiroler Eisenwegen

Tirol
06.07.2021 11:15

Gleich zweimal musste die Bergrettung Kramsach zuletzt überforderte Klettersteiggeher aus misslicher Lage bergen. Die Experten warnen vor Selbstüberschätzung auf den Eisenwegen, der - wie gerade der Vorsommer zeigte - zahlreiche ungeübte Sportler auf den Leim gehen. Unnötige Rettungseinsätze sind dann die Folge.

Der Klettersteig Reintalersee mit seinem spektakulären Tiefblick zieht die Massen an. Je schöner das Wetter, desto mehr durchsteigen den Eisenweg, der eine leichte und eine schwierigere Routenführung aufweist.

Einem Alpinisten wurde kürzlich der späte Start zum Verhängnis. „Er stieg erst mittags ein und bekam durch die Hitze Kreislaufprobleme“, erzählt Gerold Stock von der Bergrettung Kramsach. Die Einsatzkräfte brachten den Mann sicher hinab zum Wandfuß, er konnte dann sogar selbstständig die Heimreise antreten. Bei einem zweiten Einsatz wurde ein Alpinist, der wegen Hüftproblemen nicht mehr vor und zurück kam, geborgen. Auch er machte sich anschließend allein auf den Nachhauseweg.

Die beiden Fälle gehören zu „Klassikern“ unter den Einsätzen. Im Fachjargon wird von „Blockierten“ gesprochen: (meist) unverletzte Personen, die durch Selbstüberschätzung, Fehleinschätzung, mangelndes Können oder nachlassenden Mut Alarm schlagen.

Mehrere Hotspots in Tirol
Interessanterweise gibt es in Tirol einige Hotspots mit überdurchschnittlich vielen „Blockierten“. Dazu gehört auch der Klettersteig am Stuibenfall in Umhausen. „Zum Glück hatten wir dort heuer noch keinen Einsatz“, sagt Martin Scheiber, Ortsstellenleiter der BR Umhausen. Noch bitter in Erinnerung ist der Fall der 62-jährigen Französin, die im Juli 2020 vom Klettersteig in den Stuibenfall stürzte und starb. Ihr wurde wohl ein Bedienungsfehler am Klettersteigset zum Verhängnis.

„Blockierte“ werden laut Gregor Franke, Pressesprecher der Tiroler Bergrettung, in der Regel bodengebunden von der Bergrettung geborgen. „Für jeden Klettersteig existiert ein eigenes Bergekonzept“, informiert Franke. Wenn witterungsbedingt freilich die Zeit knapp ist bzw. bei Verletzungen findet eine Taubergung mit dem Hubschrauber statt.

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