10.06.2021 11:00 |

Gefährliche Folgen

„Zucker“ bleibt viel zu lange unerkannt!

Ist Österreich ein Land der unerkannten Diabetiker? Experten befürchten, dass nicht nur 700.000 Menschen hierzulande bereits an Diabetes Typ-2 erkrankt sind, sondern fünf Prozent der Erwachsenen schon an der ebenfalls gefährlichen Vorstufe zur Zuckerkrankheit leiden. Eine neue Studie soll nun fundierte Daten bringen.

Stoffwechsel-Spezialisten schlagen Alarm: Über 400.000 der erwachsenen Österreicher haben wahrscheinlich einen so genannten Prädiabetes und tragen damit ein sehr hohes Risiko in sich, innerhalb der kommenden Jahre einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln. Doch selbst die Vorstufe vermag gesundheitliche Schäden zu verursachen, die als Folgeerkrankungen des eigentlichen Diabetes bekannt sind, zum Beispiel Gefäßprobleme. Studien zeigen: 28 Prozent der Typ-2-Diabetiker haben etwa Nervenschäden, von Prädiabetes Betroffene liegen mit fast 25 Prozent nur knapp darunter.

Univ. Prof. Dr. Susanne Kaser, Stv. Direktorin Universitätsklinik für Innere Medizin I der Medizinischen Universität Innsbruck und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) betonte auf einer Pressekonferenz in Wien: „Dafür wäre die Aufnahme des Langzeitzuckerwertes HbA1c in die Vorsorgeuntersuchung ein wichtiges und einfach umzusetzendes Screening-Werkzeug. Denn wir wissen, dass bei einer guten therapeutischen Begleitung des Prädiabetes die Entstehung des Diabetes verzögert beziehungsweise verhindert werden kann.“ Hier setzt man etwa mit Gewichtsabnahme, Bewegung und Rauchstopp an. Auch Blutdruck und Blutfette müssen überprüft werden.

Univ. Prof. Dr. Harald Sourij, Stv. Abteilungsleiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie an der Medizinischen Universität Graz und Erster Sekretär der ÖDG, erklärte: „Wir gehen heute davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Menschen mit Diabetes von der Erkrankung noch nichts wissen und dadurch unbehandelt und unbewusst auf lebensgefährliche Folgeerkrankungen zusteuern. ,Zucker´ wird noch immer viel zu oft erst dann als Zufallsdiagnose gestellt, wenn Patienten wegen Folgeleiden im Spital aufgenommen werden.“

Da es bislang in Österreich noch keine genauen Zahlen zu den Betroffenen gibt, startet eine Studie der MedUni Graz, ÖDG und Ärztekammer. Ziel ist es, die medizinische Versorgung und die etwaigen Begleiterkrankungen von Menschen mit Typ-2-Diabetes in Österreich zu beschreiben. Außerdem soll eine Schätzung jener mit Prädiabetes und nicht diagnostiziertem Typ-2-Diabetes vorgenommen werden.

Eva Greil-Schähs
Eva Greil-Schähs
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