26.05.2021 17:00 |

Vorurteile abbauen

Multiple Sklerose: Noch immer Aufklärungsbedarf

Multiple Sklerose ist dank moderner Therapien meist gut behandelbar. Vorurteile und Stigmatisierung machen Betroffenen jedoch nach wie vor zu schaffen, manchmal sogar noch mehr als die Krankheit selbst - beispielsweise in der Arbeitswelt.  Eine aktuelle „Marketagend“-Umfrage im Vorfeld des Welt-MS-Tages am 30.5 zeigt die Einschätzung der österreichischen Bevölkerung. 

Rund 70% der Befragten denken, dass Menschen mit MS viele Einschränkungen im Privatleben erfahren und häufiger ärztliche Behandlung benötigen. Bei drei von fünf ist noch immer die Annahme vorherrschend, dass Betroffene früher oder später im Rollstuhl landen werden. Damit einhergehend, denken rund ein Drittel bis die Hälfte der Befragten, Menschen mit MS seien weniger leistungsfähig im Beruf, häufiger im Krankstand als „gesunde“ Kollegen und müssen aufgrund von Invalidität früher in Pension gehen. Immerhin weiß auch mehr als die Hälfte, dass es heute gute Behandlungsmöglichkeiten gibt.

„Tatsächlich können wir die MS in all ihren Verlaufsformen heute dank innovativer Therapien sehr gut behandeln. Patienten können damit ihr Leben weitgehend nach ihren Vorstellungen und mit möglichst wenigen Einschränkungen gestalten. Das Schreckgespenst des Rollstuhls kann so zumeist hintangehalten werden“, berichtete Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Enzinger, Universitätsklinik für Neurologie, Med Uni Graz im Rahmen eines virtuellen Pressegesprächs.

Im Bereich der Multiplen Sklerose wird intensiv geforscht, neue Arzneien sind deutlich wirksamer als ältere, gut verträglich und sehr einfach in der Handhabung, wie der Experte weiter ausführte. Kürzlich wurde ein neues Medikament für die Behandlung der aktiven, schubförmigen MS zugelassen. Wichtig ist jedoch, dass die Erkrankung so frühzeitig wie möglich erkannt und wirksam bekämpft wird. „Denn das Fortschreiten der Krankheit führt in jedem Fall zu einer nicht mehr umkehrbaren Schädigung des Zentralnervensystems“, so Prof. Enzinger.

Neben der entsprechenden Therapie, braucht es auch Unterstützung für Betroffene, um Hürden im Alltag bzw. im Berufsleben abzubauen, wie Marlene Schmid, Obfrau-Stellvertreterin der MSG Tirol und selbst an MS erkrankt, schilderte: „Die Diagnose begleitet Patienten ihr Leben lang. Fachvorträge zum Krankheitsbild, Informationen zur Symptomatik - laiengerecht erklärt - sind wichtig, die Begleitung in den ersten Jahren der Diagnosebewältigung noch wichtiger.“ Sie spricht Betroffenen jedenfalls Mut zu: „Ein Leben nach der Diagnose ist planbar und kann mit Unterstützung lebenswert gestaltet werden.“

Regina Modl
Regina Modl
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