Prozess in Innsbruck

Bundesheer-Oberst „lax“ bei Disziplinarverfahren?

Tirol
06.05.2025 07:00

Ein Bundesheer-Oberst (57) fand sich am Montag am Landesgericht Innsbruck in der ungewohnten Rolle eines Angeklagten wieder. Er soll Disziplinarverfahren in elf Fällen nicht ordnungsgemäß abgewickelt haben.

Es gab Vorfälle um einen möglichen Hitlergruß, Beleidigungen oder sonstige Verstöße von Soldaten im Rahmen ihres Dienstes. Auch hätte der hohe Offizier in seiner Rolle einen begründeten Anfangsverdacht in diesen Zusammenhängen an die Staatsanwaltschaft weiterleiten müssen. Auch das soll er laut der Anklageschrift unterlassen haben.

Zitat Icon

Ich war einfach überfordert und auch überarbeitet.

Der Angeklagte beim Prozess

Angeklagter: „Überfordert in der Pandemie“
Der Angeklagte bekannte sich zwar zu Beginn des ganztägigen Prozesses gewissermaßen schuldig. Tatsächlich seien die Verfahren nicht in angemessener Form erledigt worden. „Ich war einfach überfordert und auch überarbeitet.“ Vieles davon sei nämlich „in der Covid-Zeit“ passiert, und somit habe er an einer Überbelastung gelitten. Besagte Fälle seien schlicht „nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste gestanden“ – ein Fehler.

Verteidiger relativierte Vergehen
Damit fehle aber jedenfalls jegliche „Wissentlichkeit“ und eine vorsätzliche „Schädigungsabsicht“, argumentierte sein Verteidiger. Zudem habe eine Pflicht zur Erstattung an die Staatsanwaltschaft in vier Fällen gar nicht bestanden.

Der Prozess fand am Landesgericht Innsbruck statt. (Symbolbild)
Der Prozess fand am Landesgericht Innsbruck statt. (Symbolbild)(Bild: Christof Birbaumer)

Verzögerte Verfahren als Belastung für Betroffene
Zwei als Zeugen einvernommene Soldaten sprachen unabhängig davon von dem „Damoklesschwert“ des Disziplinarverfahrens, bei dem der drohende Schlag aber dann „doch ausgeblieben ist“. Die Situation der Ungewissheit durch die nicht abgeschlossenen und erledigten Verfahren sei definitiv belastend gewesen. „Es hat mich sehr beschäftigt“, führte ein Zeuge aus. Diese durch ihn verschuldete Ungewissheit hielt auch die Richterin dem Angeklagten vor. „Ich glaube Sie können sich vorstellen, dass das für die Betroffenen sehr unangenehm ist.“

Die Verhandlung wurde schließlich vertagt. Für den 30. Juni wird unter anderem der Tiroler Militärkommandant geladen, um über die „Arbeitsbelastung während der Corona-Pandemie“ Auskunft zu geben.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

Tirol

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung