16.05.2021 05:00 |

Telemedizin

Digitale Chance für die Zukunft im Pflegebereich

In der Pandemie hat sich elektronische Unterstützung wie z. B. bei Videokonferenzen, ärztlicher Beratung oder beim E-Rezept bewährt. Ein gutes Modell für Pflegeabläufe, wenn man sie richtig nützt.

Welche Möglichkeiten sich durch moderne Kommunikationswege eröffnen, sei an folgendem Beispiel erklärt: Eine 85-Jährige kommt nach einem Oberschenkelhalsbruch aus dem Spital nach Hause, allein versorgen kann sie sich nicht. Die Betreuung übernimmt die Familie. Sie lebt am Land, der nächste Ort, in dem es einen Orthopäden, Neurologen und Physiotherapeuten gibt, ist 30 km entfernt. Die Situation ist für alle neu, die Herausforderungen groß: Ein seit längerem bestehender Diabetes bei der Seniorin muss regelmäßig kontrolliert werden. Um nach der Operation wieder auf die Beine zu kommen, braucht sie intensive Physiotherapie. Der Orthopäde rät zu regelmäßiger ärztlicher Überprüfung. Bei dem Programm käme die betagte Dame aus dem Krankentransport fast nicht mehr heraus, vor allem da sich die Termine kaum aufeinander abstimmen lassen.

Onlinetherapie, Beratung via Computer
Die zeitgemäße Alternative: zur Kontrolle des Diabetes gibt ihr das Spital die nötigen Geräte mit und schult alle darauf ein. Zuhause gibt es bereits den benötigten Internetanschluss, um die gemessenen Werte an den Arzt zu schicken und Änderungen der Therapie zu besprechen. Die Physiotherapie bekommt sie ebenfalls online. Der Therapeut überwacht die Übungen per Bildschirm und gibt die nötige Anleitung. Auch die Orthopädin kontrolliert ihre Fortschritte online. Die Familie, die sich noch nie um einen älteren Menschen kümmern musste und viele Fragen hat, erhält jederzeit online Hilfe. Als die Patientin in den ersten Tagen extrem unruhig ist und die Verwandten Angst haben, wie das weiter geht, erfahren sie in einer Tele-Konferenz, dass ein Spitalaufenthalt einen alten Menschen durcheinanderbringen kann und noch kein Grund zur Sorge besteht. Auch Hinweise zur Ernährung sind sinnvoll. Wenn die psychische Belastung zu viel wird, gibt es umfassende psychologische Unterstützung für die Betreuer- ebenfalls per Telekonferenz.

Ingrid Korosec: „Brauchen wir die Telemedizin?“
Eine Arbeitsgruppe mit dem etwas sperrigen Namen „Telegesundheitsdienste-Kommission“ empfahl bereits vor Jahren den Einsatz von Telemedizin. Menschen mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen würden sich damit ersparen, nur wegen einer Kontrolle zum Arzt zu müssen. In Städten ist das meist kein Problem, am Land sind solche Arztbesuche aber oft recht aufwändig. Durch die Digitalisierung haben die Patienten auch im Notfall rund um die Uhr und rasch Zugang zu medizinischer Hilfe auf höchstem Niveau. Chronisch Kranke wissen, wie wichtig das für eine gute Lebensqualität ist. Und auch die Gesundheitskasse spart durch Telemedizin Geld. Unternommen wurde bisher nichts. Es fehlen noch immer die rechtlichen und technischen Voraussetzungen dafür. Eine verpasste Gelegenheit, auch für pflege- und betreuungsbedürftige Menschen und ihre Familien.

Denn hier macht der digitale Zugriff auf Fachpersonal den Betroffenen das Leben leichter. Die Sicherheit, in einem Notfall nicht allein zu sein, bedeutet Lebensqualität. Selbst Angehörige mit viel Erfahrung und Routine in der Betreuung stehen immer wieder vor neuen, ungewohnten Situationen: Muss man den Notarzt rufen oder die Rettung? Sofort oder kann man abwarten? Wie geht man mit akuten Schmerzen um? Alles Fragen, mit denen man manchmal überfordert ist. Da einen direkten Draht zu kompetenter Hilfe und Beratung zu haben, wäre Gold wert. Viel Verzweiflung aber auch Kosten durch unnötige Spitalseinweisungen ließen sich so vermeiden. Die Technik entwickelt sich rasant und sie muss so rasch es geht Kranken und Betreuungsbedürftigen zuhause zugänglich werden. Auch das ist eine Aufgabe für mich im Rahmen der Pflegereform!

Karin Podolak
Karin Podolak
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