21.04.2021 06:00 |

Alarmierender Befund

Eltern verzweifelt: Zu wenige Krippenplätze

Nur 22 Prozent der Unter-Dreijährigen haben einen Betreuungsplatz. Die aktuellen Zahlen der Kindertagesheimstatistik stellen einen alarmierenden Befund für die Steiermark aus. Die Junge Industrie hat einen Lösungsplan mit neun Forderungen für die Politik entwickelt.

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„Man bildet Führungskräfte aus und lässt sie dann daheim. Das ist absurd!“ Julia Aichhorn weiß, wovon sie spricht. Die Kapfenbergerin erwartet gerade ihr zweites Kind und ist quasi nebenbei noch Geschäftsführerin der Aichhorn Group. Ihre Kritik betrifft die Kinderbetreuungsplätze in der Steiermark. Ob Kinderkrippen, Kindergärten, Horte oder Tagesmütter: Die Grüne Mark hinke beim Angebot für Mütter, die wieder in den Beruf einsteigen wollen, hinterher.

Aichhorns Befund: “Mehr Kinderbetreuungsplätze, weniger Fachkräftemangel." Diesen fällt sie auch ganz offiziell als Vorsitzende der Jungen Industrie Steiermark (JI). Sechs Frauen aus der Nachwuchsorganisation der Industriellenvereinigung haben sich zusammengetan. Sie wollen den derzeitigen Zustand nicht länger hinnehmen und haben ein Lösungspapier mit neun Punkten für die Politik ausgearbeitet.

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Frauen, die arbeiten gehen, dürfen dafür nicht stigmatisiert werden. Es braucht ein Umdenken in der Gesellschaft.

Julia Aichhorn, Vorsitzende Junge Industrie Steiermark

Die aktuelle Tagesheimstatistik gibt ihnen Recht. Die Betreuungsquote der Unter-Dreijährigen - Plätze bei Tagesmüttern nicht eingerechnet - liegt in der Steiermark bei gerade einmal 22 Prozent. Und das, obwohl sich die Zahl der Kinderkrippen in den letzten zehn Jahren verdreifacht hat. Zum Vergleich: Im Österreich-Schnitt haben bereits 30 Prozent einen Betreuungsplatz in der Tasche.

17 Millionen für den Kinderkrippenausbau
Dass die Situation trotz beständigem Ausbau an Betreuungseinrichtungen angespannt bleibt, weiß auch Dominik Santner. „Ich habe in meinem Freundeskreis fünf Familien, die sich um einen Platz in einer Kinderkrippe bemüht haben. Nur eine davon hat auch tatsächlich einen bekommen“, erzählt der zweite Vorsitzende der Jungen Industrie Steiermark. Sein Vorschlag: „Kinder statt Plätze fördern.“ So könnten Eltern ihre Sprösslinge auch in anderen Gemeinden betreuen lassen. Mit einem ersten Entwurf des Lösungspapiers war man laut Santner bereits bei der zuständigen Landesrätin Juliane Bogner-Strauß.

Man überprüfe „jeden Vorschlag auf seine Vor- und Nachteile“, heißt es von der Bildungslandesrätin dazu gegenüber der „Steirerkrone“. Den Befund der Kindertagesheim-Statistik will Bogner-Strauß indes nicht ganz teilen - und stützt sich darauf, dass Tagesmütter hier nicht mit eingerechnet sind. Wäre dem so, würde man für die Drei- bis Fünfjährigen ein „Überangebot“ verzeichnen. Demnach stehen mehr Betreuungsplätze als Kinder zur Verfügung.

Auch das Krippenproblem will man lösen: „In der Steiermark entstehen zwischen 2020 und 2022 knapp 2000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren“, erklärt die Politikerin. „Für diese Ausbauoffensive “sind rund 17 Millionen Euro reserviert.

Birgit Samer
Birgit Samer
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