17.04.2021 18:00 |

94-jährig verstorben

Pöhacker: Schaffenskraft rein aus der Stille

Franz Pöhacker, ein ganz großer Künstler Österreichs, dessen Schaffen weit über die engen von Bergen umkränzten Täler Tirols hinaus Aufmerksamkeit erlangte, ist diese Woche im 94. Lebensjahr entschlafen. Der vorliegende Beitrag wurde aus persönlichen Erinnerungen des Verfassers und einem Gespräch mit seinem Sohn Magnus als Zeichen der Wertschätzung an einen wahren Humanisten gestaltet.

Franz Pöhacker wurde 1927 in Graz geboren und kam 1933 nach Hall in Tirol. Er absolvierte von 1944 bis 1947 die Bundesgewerbeschule in Innsbruck bei Hans Pontiller und Helmut Rehm und studierte von 1950 bis 1957 an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Franz Santifaller und Fritz Wotruba. Seinen Studienkollegen waren Alfred Hrdlicka und Joannis Avramidis. Seit 1959 war Pöhacker als freischaffender Bildhauer und Grafiker in Hall tätig, dessen vielfältiges, historische Stadtbild ihm etliche Inspirationen bot. Von 1972 bis 1992 unterrichtete er zudem Bildnerische Erziehung am Franziskanergymnasium in Hall. Hier lernte der Verfasser dieser Zeilen, Ende der 1970er Jahre, den zutiefst menschlichen Pädagogen Franz Pöhacker kennen.

Dieser bescheidene, ruhige, sich niemals selbst in den Vordergrund stellende Mensch, besaß die große Gnade, durch seine Anwesenheit Freude und Licht zu verbreiten. Erwartungsvoll saß man als Schüler in der Schulbank und wartete in Vorfreude auf die Stunde „Bildnerischer Erziehung“ mit Professor Pöhacker. Er war so anders als der Großteil der Lehrer in dieser Zeit. Er gab den ihm Schutzbefohlenen ein hohes Maß an humanistischer Wertschätzung und ermunterte sie mit tatkräftiger fachlicher Unterstützung, ohne „schulmeisterlichen“ Druck, ihre individuelle Kreativität mit Bleistift auf Papier zu bringen. Er selbst arbeitete stets aus seinem Herzen heraus und meinte: „Je lauter es ist, desto stiller möchte ich es haben.“ Diese Suche nach Stille schlug sich in der Reduktion seiner Arbeiten nieder, wobei, wie konnte es bei ihm auch anders sein, das große künstlerische Thema immer der Mensch blieb.

Stolzer Sohn im „Krone“-Gespräch
Die „Tiroler Krone“ bat seinen heute 53-jähriger Sohn Magnus Pöhacker, der erfolgreich als Bildhauer in die Fußstapfen seines Vaters trat, um ein Gespräch: „Mein Vater war ein bemühter Mensch um das Leben, den Frieden und um die Jugend. Wobei ich mir sicher bin, dass ihm die mediale Aufarbeitung seiner Person eher unangenehm wäre. Ich war meinem Vater jetzt nicht nur durch unsere familiäre Bindung sehr nahe, sondern auch durch die Arbeit. Da ich bei ihm gelernt habe und wir gemeinsam gearbeitet haben, da gibt es natürlich Nähe, die man spürt.“ Die Zahl der Ausstellungen, welche Pöhacker gewidmet waren, sind Legion, herauszustreichen kann man aus dieser Vielzahl plakativ zwei. Aus Anlass des 2007 begangenen 80. Geburtstages widmete ihm das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Ende 2008 eine Ausstellung mit Zeichnungen und Skulpturen. Und zu seinem 90. Geburtstag gab es eine Retrospektive seiner Werke in der Innsbrucker Galerie Maier.

Zu seinen wichtigsten Werken im öffentlichen Raum zählen die „Große Erdfrau“ für die Innsbrucker Universitätsklinik (1971), die „Große Wachsende“ (TGKK, 1977), „Lebenszeichen“ (Frauen- und Kopfklinik, Innsbruck, 1986), Altarraum der Marienkapelle der Kapuzinerkirche, Innsbruck (1994), Brunnen für die Sparkasse Hall (1991) und „Die große Kristalline“ (Kongresshaus Innsbruck, 1995).

Hubert Berger
Hubert Berger
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