17.03.2021 07:30 |

Wolfgang Bauer wäre 80

Der große Ernst hinter all dem skandalösen Klamauk

Am Donnerstag hätte der 2005 verstorbene Wolfgang Bauer seinen 80. Geburtstag gefeiert. Weil man in dem steirischen Dramatiker auch heute noch vor allem den Bürgerschreck und Skandalautor sieht, wird seinen bedeutende Rolle für die deutschsprachige Literatur oft übersehen, sagt sein Biograf Thomas Antonic im Gespräch mit der „Krone“.

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Er trat mit einer (angeblich) geladenen Pistole im TV auf, inszenierte sich als Säufer und nannte Schiller einen „siebengescheiten Dramatiker“. Um eine Provokation war der 1941 in Graz geborene Wolfgang Bauer nie verlegen - vor allem zu Beginn seiner Karriere. Mit Stücken wie „Magic Afternoon“ und „Change“ avancierte er Ende der 1960er zum Theaterstar.

Pop-Kultur mit Literatur vermengt
„Bauer hat als einer der ersten deutschsprachigen Autoren die Pop-Kultur aus dem angloamerikanischen Raum - die Musik von den Rolling Stones oder den Beatles, Pop Art, Happenings und Beat-Dichtung - mit deutschsprachiger Literatur und europäischem Theater vermengt“, sagt sein Biograf Thomas Antonic.

Und auch sprachlich wagte er Neues: „In seinen Stücken war zum ersten Mal die Alltagssprache junger Erwachsener auf der Bühne zu hören. Das fand viele Nachahmer im Theater und im Film - etwa auch Rainer Werner Fassbinder“, so Antonic. Aber auch „die Abbildung eines scheinbar banalen Alltagsgeschehens, das im Endeffekt durch eine geschickte Dramaturgie doch Spannung zu erzeugen imstande ist“, zählte für Antonic zu den wichtigen Neuerungen, die Bauer einführte.

Immer noch „marginale Rolle“
Dennoch nimmt Bauer „in der österreichischen Literaturgeschichte nach wie vor nur eine marginale Rolle ein“, so sein Biograf. Und das läge ganz sicher nicht an der Qualität seiner Stücke.

„Einer der Gründe liegt sicher darin, dass er sich Mitte der 1970er Jahre radikal von seinem bisherigen Erfolgsstil abwandte und relativ komplexe, philosophische Stücke zu schreiben begann, denen weder die Kritik noch die Literaturwissenschaft folgen mochte“, erklärt Antonic. Kurz: Bauer lieferte nicht, was man von ihm erwartete - wohl auch weil ihm sein Ruf als „Skandal-Wolfi“ auch selbst immer mehr zur Belastung wurde.

Spätwerk gilt es zu entdecken
Und gerade deshalb gilt es für Antonic vor allem das Spätwerk Bauers noch zu entdecken: „Es handelt sich dabei um circa zwanzig Stücke, die bislang oft nur ein einziges Mal aufgeführt wurden.“ In „Café Tamagotchi“ (2001) etwa beschäftigt er sich mit virtueller Realität und in „Die Menschenfabrik“ (1996) mit dem Klonen. „Es wäre wichtig, dass sich ein geeigneter Regisseur an ein Bauer-Stück herantraut, der nicht nur den typischen Klamauk, sondern auch den Ernst, der hinter dem Stück steht, sieht“ sagt Antonic.

Vielleicht ist der morgigen 80. Geburtstag des 2005 an den Folgen eines Herzleidens verstorbenen steirischen Autors ja Anlass, Wolfgang Bauer endlich so ernst zu nehmen, wie er es sich verdient hat.

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