„Duell“ mit Investoren

„Wir brauchen Unterstützung“

Mit der Allgemeinen gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft in St. Pölten feiert eine der ältesten ihrer Art in Österreich den 100. Geburtstag. Mit der „Krone“ sprach ihr Obmann Wilhelm Gelb über heutige Parallelen zum Gründungsjahr, den Wettbewerb mit privaten Investoren und dringend notwendige Unterstützung.

Herr Gelb, die Allgemeine gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft in St. Pölten wurde 1921 gegründet, um leistbares, sicheres Wohnen zu ermöglichen. Eine Thematik, die auch zum 100. Geburtstag noch topaktuell ist?

Wir wurden als Antwort auf das Chaos nach dem Ersten Weltkrieg gegründet. Nun sind wir wieder in einer außergewöhnlich schwierigen Situation. Leistbares Wohnen zu schaffen und die Wohnqualität zu verbessern, ist damals wie heute unsere zentrale Zielsetzung.

Heutzutage drängen immer mehr gewinnorientierte Investoren in den Wohnungsmarkt. Wie schwer ist es da für eine gemeinnützige Genossenschaft mitzuhalten?

Wir arbeiten nach dem Kostendeckungsprinzip und geben Vorteile 1:1 an unsere Mieter weiter. Wir brauchen aber definitiv Unterstützung vor allem von der Politik, um weiterhin leistbares Wohnen umzusetzen. Vor allem die Grundstückspreise werden in den Zentralräumen rasch teurer und dann ist etwa die geforderte Errichtung von zwei Parkplätzen pro Wohneinheit ein großer Preistreiber. Die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit darf nicht aus den Augen verloren werden.

Gerade in St. Pölten wird ja immens viel gebaut: Bleiben Sie da auf der Strecke?

Ich bin der Meinung, dass wir vor allem durch unsere Erfahrung und jahrelang gezielte Grundstücksbevorratung hervorragende Wohnungen und Reihenhäuser anbieten können. Wir werden weiterhin sehr genau den reellen Bedarf beachten und achtsam mit jedem Grundstück umgehen.

Sie wechselten 1965 von der Finanzkammer der Diözese St. Pölten zur Wohnungsgenossenschaft. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte?

1965 hatten wir rund 600 Siedlungshäuser und Wohnungen in St. Pölten, mittlerweile verwalten wir mehr als 17.500 Einheiten in 64 Gemeinden in NÖ. Ich bin überzeugt, dass unser bisherige Weg richtig ist.

Seit 1990 sind Sie Obmann: Denken Sie mit 72 Jahren langsam an den Ruhestand?

Ich habe Freude an den sozialen Aspekten in meinem Wirkungsfeld und auch viel Glück – ohne dem geht nichts. Gerade in schwierigen Zeiten sind Erfahrung und Fachkompetenz nötig.

Thomas Werth
Thomas Werth
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