08.03.2021 10:37 |

Abgasvorschriften

Gefährdet die EU Mobilität mit Gaga-Kriterien?

Autos werden teurer und komplexer oder elektrisch, Kleinstwagen verschwinden zusehends vom Markt und drohende neue EU-Abgasregulierungen verschlimmern die Situation für Menschen, die nicht viel Geld ins Auto investieren können, immer weiter, sagen Fachleute. So sieht das Zulieferunternehmen Bosch angesichts des Green Deals der EU bezahlbare Mobilität nicht mehr gewährleistet.

Der European Green Deal ist ein von der Europäischen Kommission vorgestelltes Konzept mit dem Ziel, bis 2050 in der Europäischen Union die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und somit als erster Kontinent klimaneutral zu werden.

„Das erfordert beträchtliche zusätzliche Aufwendungen und hätte die Konsequenz, dass Fahrzeuge vor allem auch in den untersten Klassen deutlich teurer werden. Damit stellt sich die Frage nach bezahlbarer Mobilität ganz neu“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner im Interview mit der Automobilwoche.

„Unsinnige Kriterien“
Er kritisierte den Entwurf zur Euro 7-Norm scharf: „Eigentlich sollte sich der Gesetzgeber um die Luftqualität kümmern. Jetzt lautet der Anspruch, bei den Schadstoffen möglichst den Wert Null zu erreichen. Und das unter Bedingungen, die als exotisch zu bezeichnen sind, wie etwa Kaltfahrten bei voller Anhängelast den Berg hoch. Das sind Ausnahmen, die die Luftqualität kaum beeinflussen, aber mit einem heutigen Verbrenner nicht zu schaffen sind.“ Entweder müsste die Abgasanlage vorgeheizt werden oder der Start elektrisch erfolgen, also mit Hybrid-Antrieb. Beides sei mit deutlichen Kosten verbunden. „Von diesen Regulierungen hängt viel ab, und ich bin daher überzeugt, dass 2021 für die europäische Autoindustrie mit Blick auf den Antriebsstrang ein Schicksalsjahr wird“, betonte Denner.

Bosch habe die Investitionen in E-Mobilität von 400 auf 700 Millionen Euro pro Jahr erhöht. „Aber an der Politik der Technologieoffenheit halten wir fest“, sagte Denner. „Die Politik sollte nur die Rahmenbedingungen für ein Ziel festlegen. Es geht ja nicht nur um den Bereich Pkw, sondern auch um Nutzfahrzeuge, Land- und Baumaschinen oder Schiffsantrieb.“

Denner rechnet zugleich damit, dass der Chipmangel die Autoindustrie noch länger beschäftigt. „Wir glauben, dass sich die gesamte Branche in den nächsten Monaten langsam aus der kritischen Versorgungslage herausarbeiten wird.“ Im Moment gehe es darum, mit den Kunden gemeinsam die Probleme zu lösen. „Alles Weitere und auch was wir daraus lernen - etwa ob wir in Zukunft größere Lagerbestände an Halbleitern brauchen, um robuster zu werden - das wollen wir nach Bewältigung der Krise gemeinsam mit unseren Kunden und Lieferanten angehen.“

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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