24.02.2021 12:00 |

Luxuriös gleiten

DS 9: Französisches Flaggschiff mit „Hach!“-Effekt

Aus dem neu geschaffenen Stellantis-Konzern rollt ein neues französisches Flaggschiff auf und zu: Der DS 9 soll Klassengrenzen sprengen und völlig neue Luxusansprüche befriedigen. Eine Art Hermes oder Louis Vuitton der Automobilindustrie soll DS sein. Nach einem ersten In-Augenschein-Nehmen können wir den Zugang verstehen.

Er ist eine stattliche, elegante, leicht verspielte Erscheinung, der große Franzose mit den vielen Lichtreflexen. Mit 2,90 Meter Radstand und 4,93 Länge verwischt die Grenze vom D- zum E-Segment. Aber das ist durchaus beabsichtigt, schließlich hat der gebotene Luxus auch seinen Preis, und den ist man eher bereit zu zahlen, wenn man gefühlt eine Klasse höher unterwegs ist.

Bei aller Opulenz wirkt die Optik gestreckt, die schmalen LED-Tagfahrlichtwinkel verleihen dem Wagen etwas Feingezeichnetes. Ein Blickfang sind sowohl die LED-Scheinwerfer, deren je drei Elemente sich beim Einschalten des Fahrlichts drehen, als auch die gemusterten Heckleuchten. Ein seliges „Hach!“ kann einem entfahren, wenn man der Blinkerleuchten hinten an der Dachkante gewahr wird, welche die Ahnin der Marke DS zitieren, die legendäre Deésse, also den Citroen DS.

Wabenmuster, die der Glaspyramide im Hof des Louvre nachempfunden sind, Metallverzierungen („Clous de Paris“ genannte Guillochierungen, im Innenraum wie auch auf der Motorhaube), die man sonst von wertvollen Uhren kennt, Dekorelemente in Kristallglas, dazu ein grundsätzlich leicht pompöser Auftritt im Innenraum - kein Wunder, dass der Ausdruck Savoir-vivre, die französische Kunst zu leben, beim Rundgang mehr als einmal gefallen ist. Der DS 9 ist ein Auto für detailverliebte Connaisseure, man möchte nach dem Einsteigen augenblicklich ein Glas Bordeaux bestellen.

Natürlich nur auf den höchst bequemen Rücksitzen (optional klimatisiert und mit Massagefunktion), die viel Platz und Beinfreiheit bieten. Man sollte nur nicht die massive Mittelarmlehne herunterklappen, sonst fühlt man sich schnell eingeengt. Abgesehen davon, dass sich das Klavierlackplastik, auf dem die Hand dann zu liegen kommt, nicht sonderlich angenehm anfühlt. Jedenfalls kommt den Passagieren der zweiten Reihe der sehr lange Radstand zugute.

Nicht ganz idealer Fahrerplatz
Der Fahrer blickt auf digitale Instrumente und einen zentralen Zwölf-Zoll-Touchscreen. Auf der Mittelkonsole sind - wie bei DS üblich - die Fensterheberschalter angebracht. Daran muss man sich gewöhnen. Woran man sich noch mehr gewöhnen muss, ist die etwas ungewöhnliche Sitzposition: Wegen der breiten, hohen Mittelkonsole steht das rechte Bein aufrechter als das linke, man sitzt gewissermaßen schief.

Der DS 9 versteht es zu gleiten, wenn man dem Hersteller Glauben schenken darf. Dazu hat er die sogenannte Active Scan Suspension an Bord: Eine Kamera beobachtet die Fahrbahnbeschaffenheit, die adaptiven Stoßdämpfer passen ihre Härte entsprechend an. Eine Luftfederung (oder gar eine Hydropneumatik wie einst bei der DS) ist aber nicht vorgesehen.

Zwei Plug-in-Hybrid-Antriebezur Wahl
Auch in Sachen Antrieb ist Gleiten die Disziplin des schicken Franzosen, denn er kann nach WLTP 55 Kilometer weit rein elektrisch fahren - in Österreich wird er ausschließlich als Plug-in-Hybrid angeboten. Ab sofort bestellbar ist die Version mit einer Systemleistung von 225 PS, resultierend aus einem 181 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner, der von einem 81 kW/110 PS starken Elektromotor unterstützt wird. Diese Kombination beschleunigt den Wagen in 8,3 Sekunden von Null auf 100 km/h - mehr ist angesichts 1879 kg Eigengewicht (nach DIN, also ohne Fahrer gemessen) nicht drin. Allein für den Hybridantrieb sind im Vergleich zu einem konventionellen an die 300 kg zu veranschlagen. Mit dem nur 42 fassenden Benzintank wird man jedenfalls keine große Freude haben - es sei denn man lädt regelmäßig und fährt grundsätzlich elektrisch.

Später im Jahr folgt der starke Allradler mit dem Antrieb aus dem Peugeot 508 Sport. Hier leistet der Benziner 200 PS, der E-Motor an der Vorderachse wird unverändert übernommen und an der Hinterachse kommt ein 113 PS starker E-Motor dazu, der die Hinterräder antreibt und so für Allradantrieb sorgt. Die Systemleistung beträgt 360 PS.

In beiden Fällen wird die Kraft der beiden Frontmotoren über eine Achtgangautomatik an die Vorderräder übermittelt. Die 11,9-kWh-Batterie wird über das 7,4 kW-Bordladegerät an der Wallbox zu Hause oder an einer öffentlichen Ladestation innerhalb von einer Stunde und 45 Minuten voll geladen.

Grundsätzlich mit dabei sind beim Kauf eines DS mehrere Services, von einer DS-Club-Mitgliedschaft (die u.a. die Teilnahme an sonst nicht zugänglichen Events ermöglicht) bis hin zu „DS Valet“, wodurch das Auto zum Service gratis abgeholt und wieder zurückgebracht wird.

Das in China gebaute Auto wird in zwei Ausstattungsvarianten angeboten. Die Preisliste beginnt in Österreich bei 53.450 Euro (abzüglich E-Auto-Förderung) für die Performance Line+, samt Active Scan Suspension, Zweizonen-Klima, Navi, Parksensoren, Rückfahrkamera usw. 54.700 werden fällig für „Rivoli+“ fällig, wo dann u.a. die Lederausstattung obligatorisch ist. In der Aufpreisliste wird man zusätzlichen Luxus finden.

Erste Probefahrten sollen im Mai möglich sein.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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