15.02.2021 12:45 |

Aussterbende Art

Wo gibt es denn heute noch billige Kleinwagen?

Autos werden immer teurer und damit für immer weniger Menschen leistbar. Doch es gibt sie noch, die Kleinen und Billigen. Grundsätzlich gehören sie jedoch einer aussterbenden Art an: Wegen immer schärferer Abgas- und CO2-Auflagen werden sie vor allem für Hersteller zunehmend unattraktiv. Aber es gibt tatsächlich noch Neuwagen unter 10.000 Euro!

Für die Hersteller werden die renditeschwachen Mini-Modelle immer unattraktiver. Der eh schon geringe Erlös ist zuletzt vor allem durch die Verschärfung der Abgasnorm noch einmal unter Druck geraten. Die macht zusätzliche Technik nötig, für die jedoch die Zahlungsbereitschaft bei der preissensiblen Kundschaft fehlt.

Gesetzeslage fördert große Autos
Paradoxerweise setzt außerdem der politische Druck zur CO2-Reduzierung den eigentlich ressourcen-schonenden Kleinstautos zu. Denn sie müssen rein rechnerisch relativ ambitionierte EU-Zielwerte erreichen. Auch beispielsweise im Vergleich zu SUVs, die dank eines Gewichts-Bonus deutlich mehr „Klimagas“ emittieren dürfen. Spritspartechnik, wie sie ab der Kleinwagenklasse mittlerweile Standard ist, ist für die darunter angesiedelten Kleinstwagen jedoch zu teuer. In der Konsequenz drohen die Minis, ihren Herstellern die gute Klimabilanz zu vermasseln. Einige Marken haben daher ihre Einstiegsmodelle gleich komplett auf E-Antrieb umgestellt - der fließt in die CO2-Bilanz mit dem Wert null ein.

Elektro-Kleinstwagen um die 20.000 Euro
Die Elektro-Strategie hat vor allem der VW-Konzern gewählt, der das Trio VW Up, Seat Mii und Skoda Citigo mit E-Antrieb anbietet. Der in dem Trio verbaute Motor kommt auf 61 kW/82 PS und 210 Nm, die 32,2 kWh große Batterie ermöglicht Reichweiten bis 260 Kilometer. Das Portfolio unterscheidet sich allerdings im Detail: Während Citigo und Mii nur elektrisch zu haben sind, ist der VW Up der einzige der drei, der außer mit E-Antrieb auch noch mit einem 48 kW/65 PS starken 1,0-Liter-Dreizylinderbenziner sowie als 115-PS-GTI zu haben ist. Auch eine Erdgasvariante mit 68 PS steht zur Verfügung. Die Preisliste startet bei 12.680 Euro, die E-Ausführung gibt es ab 22.590 Euro - ein Unterschied, der durch die Elektromobilitätsförderung nur teilweise ausgeglichen wird.

Elektro-Smarts mit Minimalreichweite
Ebenfalls konsequent auf Elektrifizierung setzt Smart. Die Daimler-Tochter hat die Verbrenner bereits 2019 gestrichen und bietet sowohl den zweisitzigen Fortwo als auch den Viersitzer Forfour nur noch elektrisch an. Als Antrieb fungiert ein 60 kW/82 PS starker E-Motor, die Reichweite fällt mit maximal 130 Kilometern selbst für ein reines Stadtauto eher knapp aus. Der Preis im Gegenzug mit 25.770 Euro für den Zweisitzer vergleichsweise üppig.

Etwas günstiger fallen die Kosten in Relation zur Fahrzeuggröße beim Viersitzer Forfour aus, der für mindestens 26.400 Euro angeboten wird. Dessen größte Konkurrenz ist jedoch der weitgehend baugleiche Renault Twingo Electric, der mit einem Startpreis von 20.490 Euro nicht nur günstiger ist, sondern auch noch die größere Batterie und damit die bessere Reichweite (190 Kilometer nach WLTP) bietet. Den kleinen Franzosen gibt es auch noch konventionell angetrieben, mit Leistungswerten zwischen 48 kW/65 PS und 68 kW/93 PS sowie Preisen ab 11.490 Euro.

Fiat hat die Lifestyle-Kleinstwagen
Eine spezielle Kleinstwagen-Strategie fährt Fiat. Die Italiener spalten ihre 500er-Baureihe auf: Parallel zu dem bereits seit 2007 gebauten konventionellen Modell (ab 15.790 Euro) gibt es den Retro-Mini seit diesem Jahr auch als technisch und optisch eigenständiges E-Mobil namens 500e, das aber mit gewohnt niedlichem Design aufwartet. Neben dem klassischen Dreitürer gibt es auch ein Modell mit einer zusätzlichen einzelnen Fondtür auf der rechten Seite und neben der 70 kW/95 PS starken Basisvariante mit 180 Kilometern Reichweite ist alternativ das 87 kW/118 PS starke Standardmodell mit bis zu 480 Kilometern Reichweite zu haben. Entsprechend groß ist die Preisspanne - sie reicht von mindestens 24.990 Euro für die schwächere Variante bis zu mindestens 28.390 Euro für die stärkere.

Der Kunde profitiert von den Elektrifizierungs-Strategien der Hersteller (muss das aber auch bezahlen). Denn die neuen Antriebe heben die Kleinstautos spürbar auf ein neues Komfort-Niveau. Vor allem der leise und vibrationsarme Lauf steht in erfreulichem Kontrast zu den typisch rauen und schlecht gedämmten Dreizylindern in dieser Klasse. Dazu kommen das konzeptbedingt vorhandene Automatikgetriebe und die immense Antrittsschnelligkeit der kleinen Autos. Auf der Gegenseite finden sich die Kosten: Trotz Förderung gehen die kleinen Stromer richtig ins Geld.

Brot- und Butter-Autos für rund 10.000 Euro und darunter
Aber auch die (noch) nicht elektrifizierten Modellreihen kosten Geld. Jüngster Vertreter dieser vom Aussterben bedrohten Klasse ist der Hyundai i10, der selbst in der günstigen Version mindestens knapp 11.000 Euro kostet. Wer Klimaanlage und Radio will, zahlt bereits 2000 Euro mehr für 67 PS. Das ist schon fast Kleinwagenniveau - welches der Koreaner beim Platzangebot im Innenraum allerdings auch fast schon erreicht. Das gilt in etwas abgeminderter Form auch für den entfernt verwandten Kia Picanto, der zudem mit identischen Antrieben daherkommt und mit einem Startpreis von 10.590 Euro aktuell zu den günstigsten Modellen auf dem österreichischen Markt zählt. Unter die magische 10.000-Euro-Grenze kommt aber selbst die mager ausgestattet Picanto-Basis nicht.

Elegant unter der Hürde durch fährt aktuell der Mitsubishi Space Star: 7990 Euro für einen Neuwagen ist eine echte Ansage (Preis gilt nur bei Finanzierung). Für Klimaanlage und Radio muss man aber auch hier die nächsthöhere Ausstattungsvariante um 2000 Euro Aufpreis ordern.

Da sind wir dann schon beim Aktionspreis des Toyota Aygo mit 72 PS - allerdings ohne Klimaanlage und Radio, die wiederum erst in der mehr als 2000 Euro teureren besseren Ausstattung enthalten ist. Das Brudermodell ist in einer billigen, nackten Basisvariante ohne Radio und Klima gleich gar nicht erhältlich. Das gilt auch für den Citroen C1 - auch ein Brudermodell -, für den der Händler in der günstigsten Version sogar 12.800 Euro verlangt. Da ist aber sogar schon das Navi serienmäßig.

Wie lange es das immerhin schon seit 2014 in der aktuellen Form gebaute Trio noch geben wird, ist unklar. Eine Neuauflage im Dreierbund wirkt aktuell eher unwahrscheinlich; zumindest der Toyota könnte über 2022 hinaus eine Zukunft haben, möglicherweise als Kooperationsprojekt mit Daihatsu und Suzuki.

Ähnlich offen scheint die Zukunft des schon seit 2011 gebauten Fiat Panda, des praktischen und billigen Technikbruders des Fiat 500. Anders als dieser erhält der Hochdach-Mini zunächst keinen modischen E-Antrieb, verfügt seit kurzem aber immerhin über einen 70 PS starken Mild-Hybrid-Benziner und Gas-Motoren - und als einziger im Segment über Allradantrieb. Die Italiener kaschieren zudem das fortgeschrittene Alter des Modells aktuell gekonnt mit Lifestyle-Chic im Crossover-Stil. Allerdings führt das Style- und Modernisierungsprogramm auch zu höheren Preisen: unter 12.100 Euro ist der Fünftürer nicht mehr zu haben.

Das Billigste zum Schluss: Dacia kann sich rühmen, den nominell billigsten Neuwagen des Landes anzubieten: 7.790 Euro für den nackten Fünftürer mit 75 PS im Abverkauf, also für den alten Sandero. Der neue ist teurer und kostet nackt ab 8790 Euro. Mit 65 PS.

Wie lang es überhaupt noch Autos unter oder um 10.000 Euro herum geben wird? Wohl nicht mehr lang. Dafür wird der Gesetzgeber schon sorgen.

SPX, Stephan Schätzl

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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