"In den 90er Jahren gab es fünf oder sechs Hageltage pro Jahr, heute sind es durchschnittlich sieben oder acht", blickt Kurt Weinberger, Vorstandschef der Österreichischen Hagelversicherung, in die Statistik. Auch die Heftigkeit der Unwetter und die Stärke der begleitenden Stürme habe zugenommen. Früher waren Bundesländer wie die Steiermark Brennpunkte, heute könne der Westen – und besonders Tirol – als "Epizentrum" bezeichnet werden. Diese ernüchternde Bilanz zog Weinberger am Donnerstag mit LHStv. Anton Steixner und Tirols Gärtner-Obmann Peter Pfeifer bei der Gärtnerei Jäger in Thaur.
Dort hatte der Hagel am 17. Juli rund 250.000 Euro Schaden verursacht. "Durch unsere Versicherung war zum Glück nach einer Woche schon Geld am Konto, der Wiederaufbau konnte starten", sagte Juniorchef Michael Jäger.
Versicherte Fläche in Tirol extrem gewachsen
Stichwort Versicherung: Dieser Schutz scheint in der Landwirtschaft immer gefragter zu sein. Im Jahr 2000 waren in Tirol erst 6500 Hektar landwirtschaftlicher Fläche versichert, heute sind es bereits 23.000 Hektar. Bei Grünland liegt die Versicherungsquote allerdings nur bei 30 Prozent, bei Obst und Gemüse deutlich höher.
Weil die Lebensmittelproduktion ein hohes öffentliches Interesse genießt, schießen Bund und Land je 25 Prozent zur Versicherungsprämie zu (insgesamt rund 800.000 Euro). "Das ist eine bessere Lösung als früher, denn da mussten die Schäden teilweise aus dem Katastrophenfonds ersetzt werden", erklärte Steixner. Mit der Versicherung hat es der Bauer selbst in der Hand, ob er vorsorgen will.
Acht Jahre mit höheren Schäden als Prämien
Laut Versicherer Weinberger war das unwettergefährdete Tirol in den vergangenen Jahren kein gutes Pflaster, um Gewinne zu machen. "Seit 2000 gab es nur zwei Jahre, in denen die Prämien höher lagen als die Auszahlungen."
Peter Pfeifer, Obmann der Tiroler Gärtner, rät seinen Branchenkollegen zum Versicherungsschutz: "Im vergangenen Jahr waren fünf Gärtnereien im Unterland betroffen – mit insgesamt 1,2 Millionen Euro Schaden. Ohne schnellen Geldfluss wären solche Ereignisse existenzbedrohend."
Dank eines speziellen Computerprogramms konnte der landwirtschaftliche Schaden am 17. Juli binnen weniger Stunden erstaunlich genau eingeschätzt werden.
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