Arbeit im Dienst:

„Nach Einsatz wird geredet“

Niederösterreich
14.11.2020 15:00
Porträt von Niederösterreich-Krone
Von Niederösterreich-Krone
Nicht immer ist das Bild vom „Eisernen Helden“ hilfreich für die Arbeit der Florianis. Verletzte oder gar Tote nach Unfällen und Brandeinsätzen zehren auch bei den hartgesottenen Helfern am Nervenkostüm. Umso wichtiger sind die Gespräche nach dem Dienst. Die Feuerwehr Wiener Neudorf gilt hierbei als Vorbild.

Unzählige furchtbare Einsätze gehen in Wiener Neudorf, Bezirk Mödling, auf das Konto der Florianis. Gerade ihr Dienst an der Südautobahn belastet oftmals die Mitglieder auch psychisch – und doch behält man glücklicherweise meist die Oberhand über die Schreckensszenarien. Erst diese Woche kam es, wie berichtet, zu zwei fürchterlichen Unfällen. Bei einem Crash verbrannte ein Lenker sogar im Wrack. Einsatzleiter und Kommandant Walter Wistermayer gab nach der Bergung sofort den Befehl zum Einrücken: „Zuerst ist wichtig, dass Kameraden, meist ältere Kollegen, nur freiwillig zur Bergung von Leichen eingesetzt werden. Anschließend wird das Szenario noch in der Gruppe verarbeitet“, so Wistermayer. Bei seiner Wehr gibt es ein Credo: Jeder soll über den Einsatz sprechen können, und auch nach Dienstschluss steht das Führungsteam bereit. Der Florianichef betont: „Die zweite Welle mit Albträumen und Depressionen kann sehr schlimm sein, da braucht es jederzeit ein offenes Ohr.“

Nicht immer war das direkte Gespräch in Wiener Neudorf so populär wie jetzt. Mehrere wertvolle Tage verstrichen früher oft ungenutzt. Nach dem Tod eines Kameraden kam aber die Wende: „Psychologische Fachkräfte haben uns damals neue Wege aufgezeigt.“

Josef Poyer, Kronen Zeitung

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