Qual der Wahl

"Fable 3": Vom Schwächling zum (Pantoffel-)Helden

Spiele
28.10.2010 08:39
Strahlender Held oder finsterer Schurke? Gütiger Herrscher oder gnadenloser Tyrann? In "Fable 3" haben Rollenspieler erneut die Wahl, zu sein wer sie wollen – mit allen Konsequenzen, die sich daraus für das Gemeinwohl ergeben. Das Gegenteil von gut ist manchmal eben gut gemeint…

Die Industrialisierung hat Einzug in Albion gehalten und mit ihr Probleme wie Kinderarbeit, miese Löhne und unbezahlte Überstunden. Verantwortlich für das Leid des Volkes wird neben einem raffgierigen Großindustriellen namens Reaver – Spielern des Vorgängertitels nur zu gut bekannt – vor allem der König gemacht. Es schreit also geradezu nach einer Revolution, auch wenn das für den zu spielenden Helden (auf Wunsch auch Heldin), ebenfalls königlichen Geblüts, bedeutet, den eigenen Bruder stürzen zu müssen.

Bevor es allerdings so weit ist, gilt es in Microsofts drittem Teil der Rollenspiel-Saga unter reichlich Blutvergießen und Erledigung Dutzender Gefälligkeitsdienste sowie teils humoriger Quests - so muss sich der Held etwa als Schauspieler versuchen oder wird plötzlich selbst zum Gegenstand eines Tabletop-Spiels, in dem sämtliche Rollenspiel-Klischees auf die Schippe genommen werden - erst einmal fleißig Mitstreiter für die gute Sache zu gewinnen. Und selbst dann ist die Schlacht noch nicht geschlagen, denn – so viel sei verraten – der Feind ist ein viel mächtigerer als ursprünglich geglaubt und sämtliche Entscheidungen, die zuvor getroffen werden mussten, sind nichts im Vergleich zu dem, was dem Helden noch bevorsteht.

Vom Schwächling zum (Pantoffel-)Helden
Doch all das ist noch in weiter Ferne. Zunächst muss der Held auf Vordermann gebracht werden, was über sogenannte Gildensiegel gelingt. Diese werden im Kampf, durch das Absolvieren von Quests oder den gesellschaftlichen Umgang mit anderen Bürgern Albions erlangt und anschließend auf der Siegesstraße, eine Art begehbarer Fertigkeitsbaum, gegen neue Fertigkeiten eingetauscht. Der Umgang mit Nah- und Fernkampfwaffen, Magie, aber auch die bereits bekannten Ausdrucksmittel oder unternehmerische Qualitäten können erlernt und verbessert werden.

Denn das Hauptquest macht wie gehabt nur einen kleinen Teil des Spielvergnügens aus. Abermals haben die Macher von Lionhead ein kleines Ökosystem geschaffen, in dem Spieler zahlreiche Freiheiten genießen kann. Wer möchte, verdient sich seine Törtchen etwa beim Konditor oder verdient Geld mit dem Eisenschmieden bzw. Lautespiel. Weitaus lukrativer ist jedoch das Immobiliengeschäft: Häuser und Geschäfte können aufgekauft und anschließend vermietet werden. Bedenken sollte man dabei lediglich, dass Mieterhöhungen nur selten vom Volk goutiert werden und Sympathie schnell in Hass umschlagen kann.

Mit oder ohne Kondom?
Ist das Einkommen schließlich gesichert, steht einer Familiengründung freilich nichts mehr im Wege. Nach der entsprechenden Aufwartung bedarf es nur noch eines passenden Eheringes, um den Bund fürs Leben vor je nach Budget mehr oder weniger malerischer Kulisse zu besiegeln. Unterhaltszahlungen und gelegentliche Geschenke müssen danach aber schon sein. Wem das zu viel ist, der kann körperliche Vergnügungen natürlich auch ohne kirchlichen Beistand haben - dann aber bitte mit Kondom, denn sonst drohen Geschlechtskrankheiten oder Nachwuchs. Was davon schlimmer ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Auch wenn viele Spielelemente Erinnerungen an "Die Sims" wecken und mitunter etwas hemmend auf den Spielfluss wirken, kommt die Action in "Fable 3" nicht zu kurz. Das Kampfsystem ist abermals sehr einfach gehalten, was aber nicht automatisch bedeutet, dass die Auseinandersetzungen deswegen ein Zuckerschlecken wären. Vielmehr gilt es, geschickt zu parieren, auszuweichen und zu kontern. Mit jeweils einem Button wird geschossen, gefochten oder gezaubert, wobei neuerdings zwei Zauber kombiniert werden können.

Online gemeinsam durch die Wälder
Das Angebot an Schwertern, Hämmern, Pistolen, Gewehren und Zauberhandschuhen ist abermals sehr überschaubar, doch lassen sich sämtliche Gegenstände durch intensive Nutzung optimieren, wobei manche Upgrades an die Absolvierung bestimmter Herausforderungen geknüpft sind. Hier kommt auch der stark verbesserte, erstmals echte Online-Modus zum Tragen. Ab sofort können Spieler mit dessen Hilfe nicht nur gemeinsam durch Albion streifen, es ist mitunter sogar zwingend erforderlich. So kann etwa eines der mysteriösen Heldentore nur unter Zuhilfenahme eines zweiten Helden geöffnet werden, gewisse Waffen wiederum lassen sich nur verbessern, wenn man zuvor online einer bestimmten Anzahl von Mitspielern Geschenke unterbreitet hat.

Märchenhafte Kulisse
Wahrlich märchenhaft, nicht immer jedoch fantastisch ist die optische Kulisse des Spiels. Insbesondere beim Spielen direkt von der DVD poppen Objekte nur allmählich auf und unschöne Wischeffekte machen sich bemerkbar. Auch die Ladezeiten zwischen den einzelnen Kartenabschnitten sind mitunter störend. Einmal auf der Xbox-Festplatte installiert, halten sich diese Probleme jedoch in Grenzen und die liebevoll und sehr abwechslungsreich gestalteten Landschaften – von verschneiten Bergen über dichte Wälder bis zu kargen Wüsten - kommen voll zur Geltung. Besonderen Eindruck hinterlassen die Wasser- und Nebeleffekte.

Wahres Staraufgebot
Bombastische Musik und stimmungsvolle Sounds tragen zur dichten, mitunter sogar äußerst gruseligen Atmosphäre bei. Und natürlich sind da noch die Synchronstimmen, im Original etwa Monty-Python-Urgestein John Cleese, Sir Ben Kingsley oder Simon Pegg, die den Charakteren Leben einhauchen – wenn auch leider nur für kurze Zeit, denn das Hauptquest endet schneller, als einem lieb ist. Hunderte Nebenmissionen machen "Fable 3" aber auch über sein offizielles Ende hinaus weiter spielenswert. Der nächste Zusatzinhalt dürfte zudem nicht lange auf sich warten lassen.

Fazit: Die Veränderungen zum Vorgänger mögen sich mit Ausnahme des Online-Modus in Grenzen halten, echte Fable-Fans werden dennoch nicht enttäuscht, ist es doch gerade der Mix aus heldenhaften und alltäglichen Abenteuern sowie Herausforderungen, der das Xbox-Rollenspiel auszeichnet und nicht zuletzt auch gerade deshalb fernab des Hauptquests über Wochen hinweg spielbar macht. Die über weite Strecken wirklich sehenswerten Landstriche, eine stimmungsvolle Musikuntermalung und ein Staraufgebot an Sprechern tragen schließlich das ihre dazu bei, dass "Fable 3" - einmal angefangen - noch länger in der Xbox rotieren wird.

Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 9/10

von Sebastian Räuchle

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