Zukunftsvision

Spannender Ökothriller "A New Beginning" im Test

Spiele
25.10.2010 17:01
Was passiert, wenn die Menschheit weiterhin den Planeten verschmutzt und ohne Rücksicht auf Verluste ausbeutet, zeigt "A New Beginning" - ein spannender Ökothriller, verpackt in einem Point-and-Click-Adventure.

Wissenschaftler Bent Svensson schaut nicht schlecht, als plötzlich die junge Fay vor seiner Tür steht. Er allein könne, nein, müsse die Welt retten, lässt sie den missmutigen älteren Herrn wissen, der eigentlich nur allein sein und nichts mehr von der Welt da draußen hören möchte, die kein Interesse an ihm und seiner Forschung rund um eine Energierevolution hat.

Fay lässt sich davon nicht abhalten und erzählt ihm eine unglaubliche Geschichte - sie stammt angeblich aus dem Jahr 2500, in der die Erdoberfläche unbewohnbar geworden ist. In einem verzweifelten Versuch, das Schicksal der Welt zu ändern, werden sie und zahlreiche Kollegen in die Vergangenheit geschickt, um die Menschheit zu warnen. Die erste dieser Zeitreisen geht jedoch schief und nur eine Handvoll Kameraden überlebt. Vulkanausbrüche, schier endlose Wüsten, Überschwemmungen, alles erfrierende Kälte - der durch den Menschen verursachte Klimawandel hat die Welt bereits 2050 komplett zerstört.

Das alles wird in 2D-Comicgrafik erzählt und wirkt dennoch glaubwürdig. Zu verdanken ist dies vor allem der Eindrücklichkeit der Bilder und den gut ausgearbeiteten Charakteren. So bricht Fay in Tränen aus, als Bent unabsichtlich einen Vogel tötet - in ihrer Welt gibt es keine Tiere mehr, Pflanzen kennt sie nur aus Erzählungen. So schafft es das Adventure, Atmosphäre zu vermitteln, die trotz Comicstils nichts mit kindlichen Spielen gemein hat, sondern ernst und erwachsen daherkommt.

Mit nur wenigen Kameraden, die überlebten, ist es also an der unerfahrenen Zeitfunkerin Fay, das Zepter in die Hand zu nehmen und Bent Svensson aufzusuchen, den vielleicht letzten Menschen auf der Welt, der die Klimakatastrophe noch abwenden kann. Er hat eine Alge gezüchtet, die saubere Energie für alle liefern könnte, doch Bent hat sich von der Forschung abgewendet. Sein Sohn führt diese weiter, doch die beiden stehen nach dem Tod der Mutter und Ehefrau auf Kriegsfuß.

Immer wieder unterbrechen Comic-Sequenzen das Spiel, hier werden eindrucksvolle Momente erzählt - meist in Standbildern und mit vielen Nahaufnahmen gespickt. Obwohl diese Erzählweise für "A New Beginning" funktioniert, hätten Videosequenzen wohl mehr Spannung aufgebaut und den Spieler tiefer ins Geschehen gezogen.

Gut gelungen sind dagegen die Rätsel, auch da sich einige auf Wunsch überspringen lassen. Wer also partout nicht dahinterkommt, wie eine eher mühsame Sequenz mit einem Fernrohr zu schaffen ist, darf diese auslassen. Sehr erfreulich ist die Hotspotanzeige, die mit Druck auf die Leertaste aktiviert wird. So bleibt kein interessantes Fleckchen unbeachtet, kein Inventargegenstand verborgen. Meist sind letztere zu kombinieren oder richtig zusammenzubauen, ansonsten warten noch Logikrätsel, wenn etwa Apparaturen in der richtigen Reihenfolge in Gang gesetzt werden müssen. Die Steuerung funktioniert wunderbar, mit Klick auf einen Gegenstand öffnet sich ein kontextsensitives Menü - so kann man zum Beispiel Personen ansehen und ansprechen, Gegenstände aber anschauen und benützen.

Auch in den Dialogen werden oftmals Auswahlmöglichkeiten angezeigt, doch ein echtes Multiple-Choice-System verbirgt sich dahinter nicht - kürzere, knackigere Texte und ein Verzichten auf dieses sinnfreie Klicken wären hier die bessere Wahl gewesen, auch wenn die meisten Sprecher gut gewählt sind. Nur was die Texte betrifft hätte Fay einen stärkeren Charakter vertragen können - warum eine oftmals so hilflose Person damit betraut wird, die Welt zu retten, bleibt trotz ihres im Grunde sympathischen Wesens ein Rätsel.

Dennoch schafft sie es, Bent dazu zu bewegen, sich mit ihr auf die Reise zu begeben, die Welt zu verändern. Der Spieler erlebt nicht nur die düstere Zukunft, sondern wird unter anderem auf eine Plattform im Meer und tief in den Dschungel geschickt. Helfer warten ebenso wie gefährliche Widersacher und wer tatsächlich auf wessen Seite steht, bleibt lange Zeit spannend. Lediglich der verwirrende und emotionsarme Schluss enttäuscht - hier wäre mehr möglich gewesen. Schade, denn die Entwickler von Daedalic haben zuletzt mit dem zauberhaften, sehr empfehlenswerten Adventure "A Whispered World" bewiesen, dass sie auch anders können.

Fazit: "A New Beginning" widmet sich einem auf dem Spielemarkt frischen, unverbrauchten Thema - und macht seine Sache richtig gut. Rätsel und Dialoge gefallen, die Figuren sind sympathisch angelegt und vertont, die Steuerung ist dankenswerterweise gut durchdacht und das Setting der nahenden Klimakatastrophe glaubhaft umgesetzt. Dabei kehren die Entwickler nie den Moralapostel heraus, sondern stimmen nachdenklich. Knackigere Dialoge und ein emotionalerer, weniger verwirrender Schluss hätten dem Adventure jedoch einen Zusatzpunkt beschert.

Plattform: PC
Publisher: Deep Silver
krone.at- Wertung: 8/10

von Bernadette Geißler

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