"Der Lkw-Verkehr hat noch nicht das Ausmaß vor der Krise erreicht. Wenn aber die Politik nicht bald gegensteuert, werden sich die Autofahrer wieder daran gewöhnen müssen, dass auf den Autobahnen die rechte Spur wieder zu einer rollenden Lagerhalle wird", warnt VCÖ-Experte Martin Blum in einer Aussendung.
Auch über die Transitrouten rollten laut der Statistik des VCÖ, erstellt mit Hilfe der Aufzeichnungen der Asfinag-Zählstellen auf den Autobahnen, in den ersten drei Quartalen deutlich mehr schwere Schwerfahrzeuge. Über die A10 fuhren mehr als 1,6 Millionen Lkws, über den Brenner 1,55 Millionen. "Die Zwei-Millionen-Grenze wird heuer am Brenner wieder deutlich überschritten werden."
Dass alternative Transportkonzepte wie die rollende Landstraße scheitern - sogar die ÖBB selbst fahren aus Kostengründen wieder verstärkt Lkws -, liegt aus der Sicht des VCÖ an der "fehlenden Kostenwahrheit im Transport". "Der Lkw-Verkehr zahlt nur rund 40 Prozent der von ihm verursachten Kosten. Rund 60 Prozent wird indirekt subventioniert und belastet die Allgemeinheit", so Blum.
VCÖ: Diesel-Vorteil abschaffen
Der VCÖ spricht sich daher erneut gegen die steuerliche Bevorzugung von Diesel. Derzeit werde Diesel um rund zehn Cent pro Liter niedriger besteuert als Benzin. Blum fordert daher, dass Diesel gleich hoch wie Eurosuper besteuert werden soll.
Neben der steigenden Umweltbelastung hätten die "neue Lkw-Lawinen" auch negative Auswirkungen auf die Autobahnen. Ein vierachsiger 40-Tonnen-Lkw nutze die Straße rund 35.000 Mal so stark ab wie ein Pkw. "Damit werden sich die zukünftigen Sanierungskosten erhöhen. Und die Autofahrer werden sich wieder über mehr Baustellen ärgern müssen", konstatiert der VCÖ.
EU-Richtlinine "ein Schritt zur Kostenwahrheit"
"Erste Hilfe" kann sich der VCÖ bereits aus Brüssel erhoffen. Die EU-Kommission hat vergangene Woche beschlossen, Lkw-Frächter künftig auch für Umweltschäden und Lärm zahlen zu lassen. Nach jahrelangem Tauziehen haben sich die EU-Verkehrsminister am Freitag auf höhere Mauten geeinigt. Die "Eurovignetten-Richtlinie" ("Wegekosten-Richtlinie") sieht erstmals vor, dass Frächter für ihre Lkws ab 12 Tonnen auf Autobahnen für Lärm, Schadstoffe und Staukosten Aufschläge bezahlen müssen.
Allerdings: Es steht den Staaten frei, davon Gebrauch zu machen und auch Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen einzubeziehen. Damit die neue Regelung in Kraft treten kann, muss außerdem noch das EU-Parlament zustimmen. Österreichs Verkehrsministerin Doris Bures sprach von "einem Schritt zur Kostenwahrheit".
VCÖ-Statistik zum Lkw-Verkehr im Detail
Straße | Zählstelle | Lkws QI bis QIII | Plus zu 2009 |
A1 | Haid | 3.279.000 | 119.000 |
A2 | Wr. Neudorf | 3.063.000 | 76.000 |
A23 | Handelskai | 2.928.000 | 145.000 |
A23 | St. Marx | 2.577.000 | 77.000 |
S1 | Laxenburgerstraße | 2.483.000 | 39.000 |
A21 | Brunn am Gebirge | 2.479.000 | 83.000 |
A8 | Krenglbach | 2.434.000 | 160.000 |
A1 | Ybbs | 2.377.000 | 123.000 |
A25 | Wels | 2.366.000 | 121.000 |
S1 | Rustenfeld | 2.316.000 | 59.000 |
A21 | Alland | 2.026.000 | 107.000 |
A12 | Ampass | 2.022.000 | 63.000 |
A4 | Schwechat | 2.016.000 | 91.000 |
A1 | Salzburg Bergheim | 1.958.00 | 48.000 |
A10 | Anif | 1.619.000 | 57.000 |
A13 | Gärberbach | 1.557.000 | 76.000 |
A2 | Thondorf | 1.550.000 | 126.000 |
A9 | Seiersberg | 1.422.000 | 63.000 |
A22 | Nordbrücke | 1.204.000 | 16.000 |
A9 | Wundschuh | 1.156.000 | 48.000 |
A14 | Pfändertunnel | 1.003.000 | 77.000 |
A2 | Grimmenstein | 959.000 | 55.000 |
A2 | Krumpendorf | 920.000 | 36.000 |
S36 | Zmöllach | 525.000 | 13.000 |
S6 | St. Marein | 475.000 | 18.000 |
A3 | Ebreichsdorf | 391.000 | 23.000 |
S16 | Grins | 371.000 | 22.000 |
S35 | Röthelsheim | 341.000 | 21.000 |
A11 | St. Martin | 313.000 | 21.000 |










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