Lkw-Lawine rollt

Schwerverkehr legt heuer wieder drastisch zu

Österreich
21.10.2010 10:33
Der Lkw-Verkehr hat heuer nach dem Krisenjahr 2009 wieder massiv zugelegt. In den ersten neun Monaten waren laut Verkehrsclub auf der nach wie vor am meisten belasteten Westautobahn (A1) rund 3,28 Millionen Lkws unterwegs, um 119.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf der Südautobahn (A2) wurden 3,06 Millionen Lastwagen gezählt, das ist ein Plus von 76.000.

"Der Lkw-Verkehr hat noch nicht das Ausmaß vor der Krise erreicht. Wenn aber die Politik nicht bald gegensteuert, werden sich die Autofahrer wieder daran gewöhnen müssen, dass auf den Autobahnen die rechte Spur wieder zu einer rollenden Lagerhalle wird", warnt VCÖ-Experte Martin Blum in einer Aussendung.

Auch über die Transitrouten rollten laut der Statistik des VCÖ, erstellt mit Hilfe der Aufzeichnungen der Asfinag-Zählstellen auf den Autobahnen, in den ersten drei Quartalen deutlich mehr schwere Schwerfahrzeuge. Über die A10 fuhren mehr als 1,6 Millionen Lkws, über den Brenner 1,55 Millionen.  "Die Zwei-Millionen-Grenze wird heuer am Brenner wieder deutlich überschritten werden."

Dass alternative Transportkonzepte wie die rollende Landstraße scheitern - sogar die ÖBB selbst fahren aus Kostengründen wieder verstärkt Lkws -, liegt aus der Sicht des VCÖ an der "fehlenden Kostenwahrheit im Transport". "Der Lkw-Verkehr zahlt nur rund 40 Prozent der von ihm verursachten Kosten. Rund 60 Prozent wird indirekt subventioniert und belastet die Allgemeinheit", so Blum.

VCÖ: Diesel-Vorteil abschaffen
Der VCÖ spricht sich daher erneut gegen die steuerliche Bevorzugung von Diesel. Derzeit werde Diesel um rund zehn Cent pro Liter niedriger besteuert als Benzin. Blum fordert daher, dass Diesel gleich hoch wie Eurosuper besteuert werden soll.

Neben der steigenden Umweltbelastung hätten die "neue Lkw-Lawinen" auch negative Auswirkungen auf die Autobahnen. Ein vierachsiger 40-Tonnen-Lkw nutze die Straße rund 35.000 Mal so stark ab wie ein Pkw. "Damit werden sich die zukünftigen Sanierungskosten erhöhen. Und die Autofahrer werden sich wieder über mehr Baustellen ärgern müssen", konstatiert der VCÖ.

EU-Richtlinine "ein Schritt zur Kostenwahrheit"
"Erste Hilfe" kann sich der VCÖ bereits aus Brüssel erhoffen. Die EU-Kommission hat vergangene Woche beschlossen, Lkw-Frächter künftig auch für Umweltschäden und Lärm zahlen zu lassen. Nach jahrelangem Tauziehen haben sich die EU-Verkehrsminister am Freitag auf höhere Mauten geeinigt. Die "Eurovignetten-Richtlinie" ("Wegekosten-Richtlinie") sieht erstmals vor, dass Frächter für ihre Lkws ab 12 Tonnen auf Autobahnen für Lärm, Schadstoffe und Staukosten Aufschläge bezahlen müssen.

Allerdings: Es steht den Staaten frei, davon Gebrauch zu machen und auch Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen einzubeziehen. Damit die neue Regelung in Kraft treten kann, muss außerdem noch das EU-Parlament zustimmen. Österreichs Verkehrsministerin Doris Bures sprach von "einem Schritt zur Kostenwahrheit".

VCÖ-Statistik zum Lkw-Verkehr im Detail

Straße

Zählstelle

Lkws QI bis QIII

Plus zu 2009

A1

Haid

3.279.000

   119.000

A2 

Wr. Neudorf

3.063.000

   76.000

A23

Handelskai

2.928.000

   145.000

A23

St. Marx  

2.577.000

   77.000

S1

Laxenburgerstraße

2.483.000

   39.000

A21

Brunn am Gebirge  

2.479.000

   83.000

A8

Krenglbach  

2.434.000

   160.000

A1

Ybbs  

2.377.000

   123.000

A25

Wels  

2.366.000

   121.000

S1

Rustenfeld  

2.316.000

   59.000

A21

Alland  

2.026.000

   107.000

A12

Ampass  

2.022.000

   63.000

A4

Schwechat  

2.016.000

   91.000

A1

 Salzburg Bergheim  

1.958.00

   48.000

A10

 Anif  

1.619.000

   57.000

A13

Gärberbach  

1.557.000

   76.000

A2

Thondorf  

1.550.000

   126.000

A9

Seiersberg  

1.422.000

   63.000

A22

Nordbrücke  

1.204.000

   16.000

A9

Wundschuh  

1.156.000

   48.000  

A14

 Pfändertunnel  

1.003.000

   77.000

A2

 Grimmenstein  

959.000

   55.000

A2

Krumpendorf  

920.000

   36.000

S36

 Zmöllach  

525.000

   13.000

S6

St. Marein  

475.000

   18.000

A3

Ebreichsdorf  

391.000

   23.000

S16

 Grins  

371.000

   22.000

S35

 Röthelsheim  

341.000

   21.000

A11

St. Martin  

313.000

   21.000

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele