Fünf Mal hat er heuer schon den Motor aus- und eingebaut, geölt, geputzt und gestreichelt. Und unzählige andere Wehwehchen an seinem Puch 500 D behandelt. Sigmund Siegele aus Patsch ist einer von 170 PS-Enthusiasten, die am Wochenende am Weerberg zu einer großen Familie wurden. Vereint durch die Liebe zu röhrenden Motoren und zu den legendären Flitzern, die wie Babys verhätschelt werden.
Bilder vom Weerbergrennen siehe Infobox
Wenn das Garagen-Dasein endlich unterbrochen wird und eine gesperrte Rennstrecke zur Verfügung steht, ist das für die Bastler wie ein Feiertag: "Wir können ja in Tirol nirgendwo Gas geben", sagte Walter Brunner aus Götzens, ebenfalls Puch-Besitzer. Ein Tag beim ÖAMTC am Zenzenhof durch Kurven zu driften, das ist schon das Höchste der Gefühle.
Mehr Anmeldungen als erlaubte Startplätze
Kein Wunder, dass der Ansturm zum wiederbelebten PS-Klassiker enorm war: "Bei 170 Anmeldungen war Schluss, wir hätten doppelt so viele gehabt", sagt Ferdinand Angerer, Bürgermeister und Obmann des "Weerbergrennen Classic". Was am Sonntag bei Schönwetter los gewesen wäre, lässt sich nur erahnen. Beim Training am Samstag, als der Wettergott noch milder gestimmt war, standen 5.000 Fans an der Strecke. In den 60er und 80er Jahren waren es PS-Volksfeste, bei denen auch ein junger Unterländer regelmäßig einen Baum erklommen hatte, um an der Drei-Kilometer-Strecke hautnah dabei zu sein. Sein Name: Gerhard Berger.
Porsche, der im Film "Hauptrolle" spielte
Das Gefährt mit der faszinierendsten Geschichte war am Sonntag ein blauer Porsche 908. Hollywood-Star Steve McQueen steuerte die flache "Flunder" 1970 beim Filmklassiker "Le Mans". August Deutsch aus Bayern kaufte den Boliden vier Jahre danach – und bemerkte erst später durch Zufall und dank der Fahrgestellnummer, das es das Film-Auto war. Wegen Batterieschwäche benötigte der Porsche 908 beim Start die Muskelkraft der eifrig anschiebenden Feuerwehrleute.
Am Weerberg sind die Zeiten eines echten "Rennens" vorbei. Wegen des Motorsport-Verbotes auf Tirols öffentlichen Straßen gibt's zwei Durchgänge, die möglichst in der selben Zeit zu fahren sind – ein Modus für Oldtimer-Treffen. "Ziemlich Vollgas gegeben wird natürlich trotzdem", schmunzelte der Starter Max Walch. Nicht auszuschließen, dass es doch um die Zeit und das eine oder andere Bier zwischen den Fahrern ging. Obmann Angerer und Walch bedauern, dass am Motorsportverbot in Tirol nicht zu rütteln scheint: "Es ist kaum ein Unterschied, ob die schnellste Zeit oder die Gleichmäßigkeit zählt. Gefahren wird sowieso..."
Sieger wurde am Sonntag Marco Maurer aus Oetz in einem Audi Quattro. Zeitabweichung seiner beiden Läufe: nur drei Hundertstel!
von Andreas Moser, Tiroler Krone
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