Flüssiggas an Bord

Lokführer fing "Geisterwaggons" wieder ein

Österreich
16.10.2010 18:37
Gefährlicher Zwischenfall auf dem Bahnhof in Lienz in Osttirol: Wie erst jetzt bekannt wurde, hatten sich vor zwei Wochen zwei Waggons, einer davon vollgefüllt mit 50 Tonnen Flüssiggas, selbstständig gemacht und waren als "Geistergespann" in Richtung Spittal an der Drau in Kärnten davongerollt. Erst nach 30 Kilometern hat sie ein junger Lokomotivführer eingefangen.

Bei Verschubarbeiten am Osttiroler Bahnhof vor zwei Wochen hatte sich ein Bremskeil gelöst - die zwei Waggons machten sich plötzlich selbstständig und rollten in die Dunkelheit davon. Der 24-jährige Lokführer Werner Jaggler (Bild) aus dem osttirolerischen Leisach hatte Verschubdienst: "Es war gegen halb sechs Uhr in der Früh. Als wir das bemerkten, sprang ich sofort auf eine Lok, um die Waggons wieder einzufangen."

Der ÖBB-Mann, der erst seit drei Jahren diesen Job macht, hatte dabei ein mulmiges Gefühl: "Ich fuhr drei bis vier km/h schneller als die Waggons. Nach 30 Kilometern schaffte ich es, sie in Berg im Drautal einzuholen und anzukuppeln. Dabei musste ich allerdings sehr vorsichtig sein." Die Waggons waren ja mit rund 50 km/h unterwegs. Mit Hilfe der automatischen Kupplung ging alles gut.

Auf der gesamten Strecke waren zwar sofort alle Schranken geschlossen und Züge umgeleitet worden. Wäre der Gastank aber leckgeschlagen, hätte es in einer Katastrophe geendet. Erst vor wenigen Monaten hatte es ja in Vorarlberg einen schweren Unfall gegeben. Und im Raum Fürnitz hatte sich im Vorjahr eine Lok selbstständig gemacht.

von Serina Babka, Thomas Leitner und Martina Holzer, Kronen Zeitung
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