Die aktuelle Fassung der alljährlich wiederkehrenden Fußballsimulation wurde schon im Vorfeld mit Lorbeeren überhäuft. Vom besten Fifa, das es je gab, war die Rede. Ob diese Lobhudeleien gerechtfertigt sind? So viel sei verraten: Fifa 11 ist besser, viel besser als seine unzähligen Vorgänger.
Mit Österreichs Nationalteam geht es nach dem Spielstart auf den Rasen, um zu sehen, wie sich die digitalen Abbilder von Arnautovic, Junuzovic oder Kavlak so machen. Nach den ersten zaghaften Pässen sitze ich schon mit einem zufriedenen Grinsen vor dem Schirm.
Grund dafür: EA Sports sogenanntes "Pro-Passing-System" - mir egal, wie es die Marketing-Abteilung nennt, es spielt sich einfach genial. Denn ab sofort werden auch Spielsituation und Fähigkeiten des Spielers berücksichtigt. So kann ein Arnautovic dank seiner Technik auch in Bedrängnis einen brauchbaren Pass spielen, während sein langer Kollege im Sturm mit dem Ball schon weitaus mehr Probleme hat.
Mit etwas Übung wird aus Arnautovic dann "Astronautovic", der mit gefährlichen Außenristpässen glänzt und die Gegner, sowie mitunter seinen Trainer, verzweifeln lässt. Damit kommt schon das nächste Schlagwort namens "Personality+" ins Spiel. Heißt schlichtweg nichts anderes, als das nun elf individuelle Akteure am Feld stehen und sich die Spieler entsprechend ihrer Fähigkeiten verhalten. Der eine ist etwa groß und zweikampfstark, dafür jedoch behäbig; der Konterstürmer flitzt hingegen leichtfüßig über das Feld, zieht im Kopfballduell aber zumeist den Kürzeren.
Es gibt aber auch Helden, die im Spiel nie die Mittellinie überqueren und auch den Strafraum selten verlassen: die Tormänner. In Fußballspielen wurden sie bislang sträflich vernachlässigt, ein KI-Kollege versuchte - meist mehr schlecht als recht - das Tor sauber zu halten. Mit "Fifa 11" ist damit nun Schluss, kann sich doch ab sofort jeder die Tormannhandschuhe überziehen und selbst sein Glück als Goalie versuchen.
Eine Abwechslung, die richtig Spaß macht - vor allem, wenn mit einer unterlegenen Mannschaft gespielt wird. Der Tormann von Welt liegt aber auch nicht auf der faulen Haut, sollte der Gegner nur selten den eigenen Strafraum besuchen. Dann werden nämlich einfach Anweisungen an die Mitspieler über das gesamte Feld gebrüllt.
Spieltechnisch hat mich Fifa schon mal überzeugt, aber was ist mit dem angeblichen Frosch, der sich laut Max Merkel bislang so hartnäckig im Spielgerät versteckt zu haben schien? Auch da gibt es eine klare Entwarnung: Die Kugel hüpft und fliegt nun, wie sie es schon immer hätte tun sollen.
Nach wie vor geizt Fifa nicht mit verschiedenen Spielmodi. Egal ob off- oder online: Freundschaftspiele, Meisterschaften, Pokalbewerbe, Manager-Modus, Be-a-Pro-Modus, Ultimate-Team-Modus und insbesondere die "11 gegen 11"-Partien warten darauf, gespielt zu werden. Schnell werden so Stunden zu Tagen und die Nächte viel zu kurz, um nur noch das eine, das letzte Spiel zu absolvieren.
Abschließend ein paar Zahlen die für sich sprechen. In Fifa warten etwa 15.000 Kicker, 500 Mannschaften sowie 30 lizensierte Ligen.
Fazit: Gratulation an EA Sports: "Fifa 11" ist das beste Fifa, das es bisher gegeben hat. Eine runderneuerte, tolle Spielmechanik, ein riesiger Umfang mit einem Lizenzpaket, das seinesgleichen sucht, und die tolle Präsentation fesseln geradezu an den Bildschirm. Fehler aufzuzählen wäre jammern auf sehr hohem Niveau. Deshalb und weil sich EA Sports – endlich – getraut hat, die Kernfunktionen komplett zu überarbeiten, darf Fifa 11 ganz ungeniert als das beste Fußballspiel des Jahres bezeichnet werden.
Plattform: PS3 (getestet), Xbox360, PC, Wii, PSP, DS, PS2
Publisher: EA
krone.at-Wertung: 10/10
von Harald Kaplan










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