Mehrfach im Einsatz

Falscher Notarzt narrte auch Rotes Kreuz

Österreich
14.10.2010 17:27
Jener 38-jährige deutsche Schauspieler, der beim Arbeitersamariterbund (ASBÖ) in Wien als falscher Notarzt gearbeitet hat (krone.at berichtete), dürfte auch noch eine weitere Organisation genarrt haben. Nach seiner Tätigkeit beim ASBÖ soll der falsche Mediziner mit einer gefälschten Approbation zudem beim Roten Kreuz tätig gewesen sein.

Bevor er sich als Notarzt bewarb, habe er noch mit Hilfe einer gefälschten Approbation aus Deutschland bei der Wiener Ärztekammer einen Notarztkurs erfolgreich absolviert, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Michaela Schnell, am Donnerstag.

Notarzt-Kurs im zweiten Anlauf bestanden
Der 38-Jährige war bei der Prüfung zunächst "mit Bomben und Granaten" durchgefallen, so Schnell. Beim zweiten Anlauf bestand er jedoch. Der Kurs fand in der Sanitätsschule in Stammersdorf in Floridsdorf statt. Die Infrastruktur werde vom Österreichischen Bundesheer auf dem Gelände des Heeresspitals zur Verfügung gestellt, erklärte Ute Axmann vom Verteidigungsministerium. Die Prüfung habe ein ziviler Arzt von den Barmherzigen Brüdern abgenommen. Danach erhält der Kursteilnehmer ein Zeugnis mit einem Stempel der Ärztekammer. Axmann bezeichnete den Kurs als "sehr schwer".

Danach bewarb sich der Deutsche beim ASBÖ und wurde im August als Notarzt auf Honorarbasis engagiert, bestätigte Martina Witek, Sprecherin beim Arbeitersamariterbund. Dreimal sei er probeweise in Begleitung eines zweiten Notarztes bei Einsätzen mitgefahren, danach habe er den Dienst neunmal alleine absolviert. Doch die Kollegen schöpften nach und nach Verdacht, weil er sich bei Einsätzen auffallend zurückhielt.

Als Arzt auch für Rotes Kreuz im Einsatz
Nach seiner Arbeit beim ASBÖ dürfte der Mann dann im September auch beim Roten angeheuert haben. Laut Staatsanwältin Schnell war er zweimal für das Rote im Einsatz. Rotkreuz-Sprecher Andreas Zenker bestätigte, dass der Deutsche für die Organisation im Dienst war. Das soll am 20. September in Melk der Fall gewesen sein. Er habe bei diesem Einsatz einen Patienten versorgt, aber keine medizinischen Handlungen gesetzt, sagte Zenker. Der Patient wurde nach der Übergabe durch seinen Hausarzt sofort ins Krankenhaus gebracht. "Die Personalhoheit liegt beim Landesklinikum Melk", so Zenker. Dem Roten Kreuz obliege es nicht, die Notärzte zu überprüfen.

Ursprünglich war auch berichtet worden, dass der Deutsche zudem beim Grünen Kreuz tätig geworden sei, was dessen Sprecher Markus Svoboda aber dementiert. Man habe den Mann lediglich bei einer Veranstaltung getroffen, wo der sich als Notfallmediziner ausgegeben habe.

Verdächtiger sitzt derzeit in U-Haft
Der Verdächtige sitzt zurzeit in Untersuchungshaft. Gegen den "Möchtegern-Arzt" dürfte wegen Kurpfuscherei sowie schweren gewerbsmäßigen Betruges ermittelt werden. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Hatte es zunächst geheißen, dass keine Patienten zu Schaden gekommen seien, so gibt es nun den schlimmen Verdacht, dass bei einem Einsatz ein Patient verstorben sei, nach einem weiteren soll eine Frau noch im Koma liegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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