Besucherrekord

Südsteirische Weinstraße: Sommer der Superlative

Steiermark
27.09.2020 07:00

Einen Rekord-Sommer hat man in der südsteirischen Weinregion erlebt. Die Tische sind bis zu sechsmal täglich ausreserviert, Buschenschankbetreiber ringen um Personal. Der Nachteil des Besucherrekords: Die Verkehrsinfrastruktur stößt an ihre Grenzen.

Von 0 auf 200! Auf den Totalausfall im Frühjahr folgte für die Betriebe entlang der Südsteirischen Weinstraße ein Sommer der Superlative: „Noch nie hatten wir von Juni bis August so viele Gäste in der Region wie im heurigen Jahr“, bilanziert Herbert Germuth, Vorsitzender des Tourismusverbandes „Die Südsteirische Weinstraße“.

Von einer Ruhe vor der beliebten Sturm-Saison konnte heuer keine Rede sein: Die Gästebücher sind seit Juni immerzu voll! (Bild: Sepp Pail)
Von einer Ruhe vor der beliebten Sturm-Saison konnte heuer keine Rede sein: Die Gästebücher sind seit Juni immerzu voll!

Unmittelbar nach der Wiedereröffnung der Buschenschänke am 29. Mai hätte sich das Blatt um 180 Grad gewendet: „Bereits zu Pfingsten waren unzählige Anfragen am Tisch“, sagt Germuth. Erste Bilanzen untermauern die Eindrücke: „Im Juli hatten wir bei den Nächtigungen ein Plus von 55, im August von 45 Prozent“, erzählt etwa Josef Fischer, Bürgermeister von Kitzeck.

Im Stakkato wird geschnitten
Szenenwechsel zum Weinbaubetrieb von Anita Trabos am Kranachberg in Gamlitz. Im Stakkato werden Fleisch, Brot und Essiggurkerl geschnitten, die Anforderungen sind groß: „Bis zu sechsmal täglich werden unsere Tische belegt, egal ob unter der Woche oder Sonntag - wir merken keinen Unterschied mehr“, erzählt die 38-Jährige.

Das neue Accessoire von Anita Trabos: Headset statt Handy (Bild: Sepp Pail)
Das neue Accessoire von Anita Trabos: Headset statt Handy

Ihre neuestes Helferlein: ein Headset. „Seit bekannt wurde, dass man Tische besser reservieren statt spontan vorbei kommen soll, werde ich mit dem Telefonieren nicht mehr fertig. Jetzt habe ich immer beide Hände frei und kann so in der Küche weiterarbeiten“, lacht Trabos.

Weinlese verschärft Personal-Problematik
Dass mit dem Besucher-Ansturm auch so manche Herausforderung wächst, weiß auch Bio-Weinbauer Otto Knaus aus Gamlitz: „Wir müssen die Produkte, die wir verkaufen, ja auch produzieren. Das ist aber kaum noch zu schaffen“, erzählt der Pionier in Sachen vegane Brettljause.

Weinlese (Bild: Sepp Pail)
Weinlese

Die in der Vorwoche begonnene Weinlese verschärft die Ressourcenknappheit nun noch einmal: „Gutes Personal zu bekommen wird immer schwieriger, so mancher Wirt stößt bereits an seine Grenzen, dabei hat die Herbstsaison ja gerade erst begonnen“, seufzt Herbert Germuth.

Anita Trabos bleibt dennoch guter Dinge: „Wir sind froh über die viele Arbeit. Es kann ja schon morgen wieder alles anders sein!“

Kolonnenverkehr nervt Anrainer und Touristen
Die vielen motorisierten Gäste in der Region sorgen auch für so manches unschöne Nebengeräusch. „Nicht nur der Pkw-Anteil nimmt zu, auch die Wanderer und E-Bike-Fahrer werden zusehends mehr“, erzählt Otto Knaus, Bio-Buschenschankbetreiber aus Gamlitz.

Die Murbrücke in Ehrenhausen als Nadelöhr. (Bild: Sepp Pail)
Die Murbrücke in Ehrenhausen als Nadelöhr.

Die logische Folge: Auf den teils sehr schmalen Straßen ohne Ausweichmöglichkeiten gehört Kolonnenverkehr immer öfters zur Regel, Gefahrensituationen (und Beschwerden darüber) häufen sich, erzählen Touristiker.

„So kann‘s nicht weitergehen“
Ein Umstand, der nun immer mehr Bürgermeister entlang der Weinstraße zum Handeln veranlasst. So auch Karl Wratschko, Ortschef von Gamlitz: „Wir brauchen in erster Linie eine gute Anbindung der Gemeinden Gamlitz, Leutschach und Ehrenhausen an die Weinstraße. So kann’s einfach nicht mehr weitergehen!“

Karl Wratschko, Bürgermeister von Gamlitz (Bild: Juergen Radspieler)
Karl Wratschko, Bürgermeister von Gamlitz

Wratschko scheiterte bislang am lieben Geld: „Ein Kilometer Gehweg muss mit etwa 200.000 Euro kalkuliert werden - das kann eine Kommune alleine nicht stemmen.“ Nächste Woche wird der Südsteirer deshalb beim Landeshauptmann und dem Verkehrslandesrat vorstellig: „Eine Förderung bedingt eine Mindest-Straßenbreite von 2,50 Meter. Das geht bei uns aber nicht, wir schaffen maximal 1,80 Meter“, erzählt Wratschko. Deshalb müsse eine Ausnahme oder andere Lösung her!

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