Um acht Uhr früh, als die meisten Nachbarn noch in ihren Betten lagen, verübte der junge Arbeitslose den Brandanschlag auf seine Hausmitbewohner. Im Schlafzimmer seiner Wohnung im zweiten Stock des Mehrparteienhauses im Ortsteil Allerheiligen zündete der 23-Jährige Kleider und Bettwäsche an. Dann flüchtete er aus der brennenden Wohnung auf die Straße.
Eine Passantin bemerkte den aus der Wohnung dringenden Rauch und alarmierte die Einsatzkräfte. Das Feuer breitete sich indes rasend schnell aus, berichtete die FF Schärding am Sonntagnachmittag. "Es waren alle Voraussetzungen für eine rasche Brandentwicklung gegeben", heißt es im Bericht auf der Website der Florianis (siehe Infobox). Damit war u.a. eine ausgerissene Wohnraumtüre gemeint, die mit der Türe zum Stiegenhaus verkeilt war, sodass diese nicht mehr geschlossen werden konnte und sich der Brand rasch ausbreitete.
Der mutmaßliche Brandstifter passte die Feuerwehr rund 600 Meter vor dem Brandort ab und hinderte die Einsatzfahrzeuge daran, bis ans Haus zu fahren, indem er unter anderem ein Fahrrad gegen die Windschutzscheibe eines Autos warf. "Denen hab ich's gezeigt, von denen lebt keiner mehr", soll er laut Einsatzbericht gerufen haben, ehe ihn die Feuerwehrmänner mit Gewalt zur Seite drängten. Dem vorbeifahrenden Einsatzwagen warf der Mann dann erneut das Fahrrad nach. Als die Polizei kam, ergriff er die Flucht.
In Haus eingedrungen und Buben als Geiseln genommen
Die Beamten folgten dem 23-Jährigen zu Fuß. Die Verfolgungsjagd führte schließlich in ein Einfamilienhaus in der Ringofenstraße, wo der Randalierer die Terrassentür einschlug. Den Hausbesitzer im Erdgeschoß bedrohte der Mann mit einem Schraubenschlüssel und machte sich so den Weg in den ersten Stock frei, wo er zwei Buben (sechs und elf Jahre alt) in seine Gewalt brachte. Laut Polizei nahm er den Älteren "in den Schwitzkasten" und zog ihn in sein Zimmer.
Als die Beamten im Haus eintrafen, konnten sie den Mann zwar dazu bringen, die Kinder gehen zu lassen, dafür wurde er jedoch den Polizisten gegenüber aggressiv. Es gelang nur mit Pfefferspray, den 23-Jährigen fluchtunfähig zu machen. Auch hätten dem Mann Hand- und Fußfesseln angelegt werden müssen, so die Polizei.
Zwölf Bewohner im Spital, 15 vor Ort behandelt
Bei der Festnahme erlitt der 23-Jährige laut Polizei leichte Blessuren. Ein Beamter ist aufgrund der Verletzungen, die ihm der Randalierer zufügte, vorerst dienstunfähig. Laut Einsatzkräften mussten elf Bewohner des Mehrparteienhauses - darunter auch Kinder - mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden. Neun von ihnen seien vorerst bis Montag stationär aufgenommen. Weitere 15 Bewohner wurden vor Ort durch die Rettung behandelt.
Die Rettung der Hausbewohner während der Akut-Phase des Brandes erwies sich laut Feuerwehr als schwierig. Die Bewohner im Stockwerk über der in Vollbrand stehenden Wohnung konnten wegen der starken Rauchentwicklung nicht über die Drehleiter gerettet werden und mussten vorerst ausharren, bis die 30-köpfige Löschmannschaft den Brand unter Kontrolle hatte und die Bewohner per Fluchthaube in Sicherheit bringen konnte. Unter Kontrolle sei der Brand nach 35 Minuten gewesen, "Brand aus" gab es erst um 10.10 Uhr.
Anschlag aus Hass auf Migranten?
Über die Motive des 23-Jährigen konnte am Sonntagabend vorerst nur spekuliert werden bzw. wollte sich die Polizei, die die Vorfälle erst am späten Nachmittag bekanntgemacht hatte, noch nicht definitiv dazu äußern. Laut Anrainern und Feuerwehrbericht haben in dem Mehrparteienhaus offenbar mehrere Mieter Migrationshintergrund - auf sie war der Arbeitslose offenbar nicht gut zu sprechen. Ob es sich bei der Brandstiftung um eine spontane Tat oder einen geplanten Anschlag handelte und z.B. die von der Feuerwehr festgestellte Türblockade absichtlich erstellt wurde, ist noch Gegenstand von Ermittlungen.
Über das Verhältnis des Verdächtigen zu den Bewohnern des Einfamilienhauses, wo der 23-Jährige die beiden Buben bedrohte, war vorerst nichts bekannt. Laut Sicherheitsdirektion Oberösterreich verlief ein nach der Festnahme durchgeführter Drogentest positiv. Die Wohnung des 23-Jährigen wurde durch den Brand vollständig vernichtet, die stärker verrauchten Wohnungen anderer Mieter können erst nach Sanierungsmaßnahmen wieder bewohnt werden.








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