Illegales Glücksspiel

Opfer: "Automaten sind Gift, schlimmer als Drogen!"

Österreich
03.10.2010 14:41
"Ich bin spielsüchtig", bekennt der Innsbrucker Demir E. (Name von der Redaktion geändert). Seit 16 Jahren verzockt der Angestellte einen Großteil seines Lohns an Glücksspielautomaten, von denen es in Tirol bis zu 2.000 gibt - obwohl sie verboten sind. Der "Krone" berichtete er von seinem Schicksal - und von dem vieler Freunde.

"Die Automaten sind Gift, schlimmer als Drogen", berichtet Demir. Seit 16 Jahren versucht er, davon loszukommen, aber es gelingt ihm nicht. Viel Geld hat er verspielt: "Ich hätte ein Haus und ein Auto kaufen, schöne Urlaube machen können. Stattdessen hab ich gearbeitet wie ein Tier."

Im Casino hat er sich sperren lassen, aber das geht bei den Automaten nicht. In jedem Wettbüro, in Tankstellen, in jedem Lokal, überall schießen die Geräte aus dem Boden, um jene abzuzocken, die sich kein Casino leisten können oder wollen. Und darunter sind viele Jugendliche: "Ich weiß, ich bin eine alte Automaten-Hure. Aber solche wie mich gibt es Tausende. Es geht aber darum, die Jugend zu schützen. Das illegale Glücksspiel ist eine große Gefahr für sie."

Demir hat in 16 Jahren gesehen, wie Familien zerstört, Freundschaften ruiniert, ganze Existenzen vernichtet wurden: "Und der Staat schaut ungerührt zu." Gnadenlos wird mit den Automaten abgezockt: "Es heißt, 80 Prozent werden ausgespielt. In Wahrheit sind es fünf Prozent", weiß Demir aus Erfahrung.

"Hier ist alles völlig ungeregelt"
Tirol - wo das "kleine Glücksspiel" eigentlich verboten ist - sei ein guter Boden für das Glücksspiel: "Hier ist alles völlig ungeregelt. Jeder 14-Jährige kann in den Hinterzimmern mit den Automaten spielen, und zwar ohne Limits. In Deutschland kann man nur 50 Euro pro Stunde verlieren. Hier in Tirol gibt's keinerlei Beschränkungen."

Die Geräte machten die Leute spielsüchtig, "und die Leute, die dahinter stehen, nützen das schamlos aus." Heilung gebe es keine: "Ich hab alles probiert." Demir meint: "Der Staat muss helfen, indem er die Teufelsgeräte verschwinden lässt."

von Philipp Neuner, Tiroler Krone

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