Mega-Beschaffung

Neue Helikopter um 300 Mio., Airbus geht leer aus

Politik
20.09.2020 06:00

Es ist die teuerste militärische Beschaffung der Republik seit dem unheilvollen Eurofighter-Kauf: Um rund 300 Millionen Euro wird Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) Hubschrauber des Typs AW169M von der italienischen Regierung anschaffen. Mitbieter Airbus (Deutschland) und Bell (USA) gehen damit leer aus.

Die lange und schwierige Suche nach neuen Hubschraubern für das Bundesheer ist zu Ende - und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner setzt erstmals Akzente: Tanner wird 18 Stück der italienischen Hochleistungs-Hubschrauber AW169M vom Hersteller Leonardo für das Bundesheer anschaffen. Und damit eine komplett neue Flotte in Dienst stellen, die die 50 Jahre alten Alouette III ersetzen soll. Dies erfuhr die „Krone“ von Personen, die mit dem Beschaffungsvorgang vertraut sind. Seitens der Verteidigungsministerin gab es am Samstag keine Stellungnahme, ihr Büro verwies auf einen baldigen offiziellen Pressetermin.

Ein AW169M der italienischen Streitkräfte, wie ihn auch Österreich bekommen würde (Bild: Ministero della Difesa)
Ein AW169M der italienischen Streitkräfte, wie ihn auch Österreich bekommen würde

Schwerer, leistungsstarker Hubschrauber
Mit einem Gesamtvolumen von rund 300 Millionen Euro ist das die größte Beschaffung des Verteidigungsressorts seit den unheilvollen Eurofightern vor knapp 20 Jahren. Grob gerechnet fallen von dem Betrag rund zwei Drittel auf die Anschaffung der Hubschrauber selbst ab, ein Drittel für Technik, Logistik, aber auch für die Ausbildung neuer Piloten sowie auf neue Infrastruktur. Zwölf der Helikopter sollen reine Einsatzflieger sein, sechs Stück darüber hinaus auch zur Ausbildung eingesetzt werden. Dies hatte schon im Vorfeld zu Kritik geführt, da hier künftig sehr schwere, große und teure Hubschrauber mit hohen Betriebskosten zur Schulung eingesetzt werden.

Klaudia Tanner (Bild: Sepp Pail)
Klaudia Tanner

Mitbewerber ausgeschieden
Tatsächlich ist der AW169M von Leonardo von den drei zur Wahl stehenden der leistungsfähigste, dabei aber auch teuerste Drehflügler. Sowohl US-Mitbewerber Bell mit seinem 429 als auch Airbus mit dem H145 hatten kleinere, günstigere Helikopter im Sortiment, die ebenfalls die Anforderungen des Heeres erfüllt hätten. Doch mit den USA kam der Deal nicht zustande, weil das US-Militär derzeit kein Nutzer des 429 ist und ein Deal zwischen den beiden Staaten schwieriger gewesen wäre als einer mit einem EU-Land. Und Airbus? Der deutsche Konzern hatte von Anfang an schlechte Karten aufgrund der juristischen Grabenkämpfe, die man sich wegen des Eurofighter-Deals liefert. Auch für Tanner („Airbus wird mich noch kennenlernen“) wäre ein neuerlicher Deal mit dem Hersteller politisch schwierig gewesen.

Breites Einsatzspektrum
Unabhängig von der Preisfrage sind sich Experten einig, dass der AW169M die vielfältigen Anforderungen des Bundesheeres - vom Truppentransport über Löscheinsatz bis hin zur Lawinenrettung - nicht nur erfüllt, sondern übererfüllt. Zahlreiche Anforderungsparameter der Militärs werden von dem 4,6 Tonnen schweren Hubschrauber überschritten. So kann er bis zu zehn Personen mit mehr als 250 km/h transportieren, in wenigen Minuten ist der Hubschrauber zu einem fliegenden OP oder für den Löscheinsatz umgebaut. Und fasst dabei rund dreimal so viel Löschwasser wie sein Vorgänger, die Alouette.

Fakten

AW169M
Besatzung: 1-2
Passagiere: 10
Nutzlast: 1800 kg / 2000 kg 
Leermasse: 2800 kg
max. Startmasse: 4600 kg
Reisegeschwindigkeit: 268 km/h
Triebwerke: 2 × Pratt & Whitney PW210A mit je 1.100 PS
Autopilot: 4-Achsen 
Stückpreis: Je nach Ausstattung zwischen 8 und 15 Mio. Euro

Die Alpen sind für den Transporter ebenso kein Problem, mit seinen zwei Triebwerken mit 2200 PS kann er je nach Zuladung auf bis zu 4500 Meter Höhe steigen. Das alles hat seinen Preis, die Betriebskosten des Gerätes werden um rund 30 Prozent höher geschätzt als jene der Mitbewerber. Im Ministerium verweist man auf mehr Sicherheit im Flugbetrieb durch diese Investition, außerdem wolle man die Betriebskosten durch gemeinsame Kooperation mit der italienischen Luftwaffe senken.

2200 PS, 4,6 Tonnen Gewicht voll beladen, knapp 300 km/h schnell: Der AW169M (Bild: Ministero della Difesa)
2200 PS, 4,6 Tonnen Gewicht voll beladen, knapp 300 km/h schnell: Der AW169M

Rasche Lieferung
Bereits Mitte 2022 soll der erste italienische Hubschrauber in Österreich landen, Erfahrung hat man bereits mit italienischem Gerät: Auch die derzeit im Einsatz befindlichen Transporthubschrauber AB 212 des Bundesheeres sind italienische Produkte, die zuletzt 2012 von Leonardo upgegraded wurden. Für Klaudia Tanner wird es nach dieser Großbeschaffung allerdings nur eine kurze Verschnaufpause geben - schließlich sucht das Heer derzeit auch noch nach neuen Überschall-Jets.

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