16.09.2020 10:34 |

„Moria-Taktik“?

13 Festnahmen nach Brand nahe Flüchtlingslager

Nach dem Brand in der Nähe eines Flüchtlingslagers auf der griechischen Insel Samos sind am Mittwoch 13 Menschen vorübergehend festgenommen worden. „Wir prüfen eine mögliche Beteiligung dieser Verdächtigen an dem Vorfall“, sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur AFP. Angaben zur Nationalität der Festgenommenen wollte er vorerst nicht machen - dennoch gab es bereits kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls Spekulationen mit Blick auf eine mögliche „Moria-Taktik“. Zehn Personen wurden mangels Beweis für eine Brandstiftung wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch die verbliebenen Migranten werden wohl ebenfalls demnächst freigelassen.

Das Feuer war am Dienstagabend in einem bewaldeten Gebiet in der Nähe des Flüchtlingslagers ausgebrochen. Die Feuerwehr konnte es unter Kontrolle bringen. Das Lager sei nicht in Gefahr, sagte Bürgermeister Giorgos Stantzos dem Radiosender Thema 104.6. Auch habe es erste Festnahmen gegeben - mehrere Männer seien wegen des Verdachts der Brandstiftung festgesetzt worden. Um wen es sich den bei den Männern handelte und welche Motive sie verfolgten, blieb allerdings im Dunkeln. Im Flüchtlingslager Vathy leben laut dem griechischen Migrationsministerium rund 4600 Migranten, das Lager hat jedoch nur Platz für rund 650 Menschen.

Das Feuer war oberhalb des Flüchtlingslagers Vathy ausgebrochen, der Wind trieb es weg vom Lager den Berg hinauf. Glücklicherweise hätten die umliegenden Felder den Flammen nicht viel Nahrung gegeben, hieß es. Der Brand sorgte aber erwartungsgemäß weit über die Grenzen Griechenlands hinaus für Schlagzeilen, nachdem erst eine Woche zuvor auf der Insel Lesbos das Flüchtlingslager Moria durch mehrere Feuer völlig zerstört worden war. Mehr als 12.000 Menschen wurden dadurch obdachlos. Die griechische Polizei nahm im Zusammenhang mit diesen Bränden mittlerweile sechs Migranten fest.

Griechische Politiker warnen seit dem Brand auf Lesbos vor einer „Moria-Taktik“, wonach Feuer auch in anderen Flüchtlingslagern auf den Inseln Samos, Chios, Leros und Kos gelegt werden könnten - vor allem, wenn die Menschen von Lesbos nun aufs Festland oder nach Mittel- und Nordeuropa gebracht würden. Die Migranten auf Lesbos fordern angesichts des niedergebrannten Lagers, die Insel sofort verlassen zu dürfen. Allerdings steht bei den meisten der Abschluss des Asylantrags noch aus. Die griechische Regierung besteht darauf, dass die Migranten den normalen Asylprozess durchlaufen müssen.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.